Wem nützen die Proteste gegen neue Rechenzentren?
Derzeit finden in Deutschland sowie in den USA Proteste gegen den Bau von Rechenzentren statt, und diverse Umweltschutzvereine stellen sich vermeintlich wieder an die Seite der Bürger, nachdem sich diese Organisationen während «Corona» so fleißig an der Zerstörung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung beteiligt haben. Klima-Aktivisten warnen vor dem hohen Strom- und Wasserverbrauch der Datencenter – die Energie dafür müsse aus Wind- oder Solarkraftwerken kommen.
Die Mainstream-Medien berichten neutral bis wohlwollend über den Widerstand besorgter Anwohner gegen die Computerhallen: «Bürgerprotest stoppt fossiles Rechenzentrum», «Anwohner fürchten um Landschaft und ihre Identität», «Aktivisten fordern nachhaltigen Wandel». Wer ähnliche Argumente zum Thema Windindustrieanlagen einbringt, erntet bei denselben Medien nur Hohn und Spott.
Errichter, Betreiber und Investoren, darunter Immobilieninvestmentfonds, Amazon, Microsoft und Blackrock, argumentieren, es würden Arbeitsplätze geschaffen. Doch eigentlich ist bekannt: Wenn so ein gigantisches Datencenter einmal steht, braucht es nur wenig Personal, um den Betrieb am Laufen zu halten.
Sogar über Rechenzentren im All, auf dem Meer und über mehr unterirdische Anlagen wird laut nachgedacht, um Kritik am Energieverbrauch, an der Überlastung des Stromnetzes und Sicherheitsbedenken zu entkräften. Und in Irland muss zu jedem Datencenter auch gleich ein eigenes Kraftwerk errichtet werden.
Nein, zum fossilen Rechenzentrum. Ja, zum «KI-Kontinent»?
«AI is killing us» – die KI bringt uns um –, erklärt die US-amerikanische Soul-Sängerin Shelby J. bei ihrem Auftritt in einem kleinen Jazz-Club in Kopenhagen Mitte Mai. Die künstliche Intelligenz (KI) bringt Künstler um ihre Verdienstmöglichkeiten. Überschwenglich bedankt sich Shelby J. bei den Besuchern, weil diese mit dem Kauf der Eintrittkarte «real music by real people» – echte Musik von echten Menschen – unterstützen.
«Echte Menschen, deren Arbeit sich die einen nicht mehr leisten wollen und die anderen bald nicht mehr leisten können.»
Wo also bleiben die Proteste gegen all jene Dinge, die durch diese KI-Rechenzentren erst ermöglicht werden? Wer deckt die dahinterliegenden Machtstrukturen auf? Die Klimaschutzorganisationen bestimmt nicht. Denn wichtige Aspekte bleiben unerwähnt: Wer hat Interesse an all den Daten und den Schlussfolgerungen daraus? Wem sollen diese KI-Rechenzentren dienen? Was soll damit vorangetrieben werden? Und wer entscheidet darüber?
Der Fokus auf Energie und Wasser kommt mehr als gelegen, um von den echten Problemen, die durch KI entstehen, abzulenken – Entmenschlichung von Bildung, Medizin (wir berichteten), Kultur, der Gesetzgebung, Justiz, Verwaltung, Polizei, des Militärs und so weiter. Erst mit KI wird eine weltweite Kontrolle, sprich Berechenbarkeit aller lebensrelevanten Bereiche möglich.
Die aktuellen Proteste gegen Rechenzentren lenken von der wichtigsten Frage ab: Was passiert, wenn sich Wissen wieder bei einigen Wenigen konzentriert, die an den zentralen Schalthebeln sitzen?
Der finanzielle Push, um die sogenannte Vierte Industrielle Revolution voranzutreiben, ist enorm: Laut der Unternehmensberatung McKinsey werden Unternehmen bis zum Jahr 2030 weltweit fast sieben Billionen US-Dollar in die Rechenzentrumsinfrastruktur investieren. Wie viel echt Menschliches sich mit dieser Geldsumme verwirklichen ließe! Stattdessen heißt die Devise «Human AI».
Auch die Europäische Union arbeitet fleißig am digitalen Wandel. Dabei setzt sie auf das Schlagwort «Souveränität», um die Errichtung von mehr Rechenzentren zu rechtfertigen. Der digitale Wandel selbst wird nicht mehr hinterfragt, sondern mit dem «Aktionsplan für den KI-Kontinent» einzementiert, in dem es heißt: «KI ist für unsere Sicherheit und den Schutz unserer Demokratie unerlässlich.» Letztendlich werden dank künstlicher Intelligenz unerwünschte Meinungen oder die Beiträge von kritischen Wissenschaftlern, Autoren oder Journalisten unterdrückt – auch dafür braucht es keine echten Menschen mehr.
Da wird es auch nichts nützen, wenn einige Auserwählte diesen digitalen Wandel angeblich mitbestimmen sollen. Worum es bei dieser Art von Teilhabe geht, beschreibt folgendes Zitat aus einem Studienbericht zu KI in Deutschland: «Ziel muss es sein, Vertrauen in die Technologie zu stärken.»
Übrigens: Schon die Anwendung von KI fördert technokratische Einstellungen. Laut einer Untersuchung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf geben Benutzer von ChatGTP «Expertenwissen» den Vorzug, die Interessen der Bürger treten dabei in den Hintergrund.