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Corona Transition

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Feed Titel: Transition News


Die eingebettete Alternative

Dieser Beitragerschien zuerst auf Manova. Tranition News durfte ihn mit freundlicher Genehmigung des Autors übernehmen.

Man möchte ja gern an irgendjemanden glauben. Das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Nachdem die «Altparteien» durch die Bank versagt haben und dabei sind, das Land gegen die Wand zu fahren, richtet sich die Erlösungssehnsucht vieler auf die AfD. Werden die Deutschalternativen endlich Frieden mit Russland schaffen? Werden sie die Überschuldungsdynamik durch ausufernden Rüstungswahn stoppen?

Wer sich darauf verlässt, wird sich im Fall einer Regierungsübernahme der AfD erneut getäuscht sehen. Alice Weidel & Co. stehen in Treue fest hinter dem 5-Prozent-Ziel bei Aufrüstung und hinter der Völkermordpolitik Israels. Statt Fluchtursachen abzumildern, propagieren sie mehr Härte gegen Flüchtlinge nach dem Vorbild der US-amerikanischen ICE-Behörde. Statt auf Armutsbekämpfung setzen sie auf Privatstädte und damit auf weitere soziale Spaltung.

Wer innerhalb der Partei für bessere Kontakte zu Russland plädiert, sieht sich vielfach isoliert. Anstatt der AfD andauernd das Falsche vorzuwerfen – eine «Nazi-Partei» zu sein – oder sie maßlos zu idealisieren, sollte sich der Diskurs endlich der nüchternen Wahrheit annähern und klar machen, worin die wirkliche Gefahr des Aufstiegs der Rechtspopulisten liegt.

Wird die AfD uns in friedliche Zeiten führen? Wohl eher nicht. Meine neuesten Recherchen haben mich einmal mehr schockiert. In einem Interview wurde ich gefragt, ob Jens Spahn den amtierenden glücklosen Bundeskanzler Friedrich Merz ablösen könnte. Ich sagte: Nein, das glaube ich nicht. Denn Spahn sei durch seine Tätigkeit als Gesundheits- respektive Krankheitsminister politisch für solche hohen Ämter verbrannt. Mit einiger Bestimmtheit sagte ich: Frau Weidel wird nächste oder übernächste Bundeskanzlerin (1)! Daraufhin wurde ich gefragt: Nach allem,was wir jetzt wissen, ist nicht die AfD die einzige Alternative zur herrschenden Misere?

Offen gesagt, habe ich überhaupt keine Lust mehr, noch irgendetwas über die AfD zu sagen. Da klappt die Tür bei vielen Leuten gleich zu. Denn die Verzweiflung draußen im Lande ist so gewaltig, dass niemand mehr wissen will, was die AfD eigentlich wirklich vorhat.

Man kann unter AfD-Sympathisanten fragen, so viel man will: Keiner hat sich jemals mit der Programmatik der AfD befasst. Wenn ich jetzt auspacke, was ich über die AfD weiß, dann werden mir viele Leute nicht mehr zuhören. Leute, die ohne diesen parteipolitischen Schwenk meiner Argumentation durchaus noch länger zuhören würden. Nochmal: Die Verzweiflung ist Deutschland ist so groß, dass die Leute nach jedem noch so glitschigen Strohhalm greifen – egal, was dann kommt.

Die Vereinfacher sind immer im Vorteil

«Die» AfD gibt es natürlich nicht. Mittlerweile gibt es in dieser Partei eine Reihe unterschiedlicher Strömungen. In einer Analyse habe ich 2017 gezeigt, dass die AfD zunächst von «feinen Pinkeln» aus der oberen Etage unserer Gesellschaft gegründet wurde und eine unverhohlen marktradikale Agenda im Sinne des Friedrich von Hayek oder eines Anarchokapitalisten vom Schlage eines Hans-Hermann Hoppe vor sich hertrug (2).

Die direkte Ableitung aus der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft war nicht zu übersehen. Doch dann kamen im großen Stil völkische Kräfte vom Schlage eines Björn Höcke in die AfD. Diese Leute verdrängten die Gründer wie Bernd Lucke oder Frauke Petry. Die gemeinsame Teilmenge mit der FDP verlor sich.

Heute bestimmen clevere Karrieristen das Bild in der AfD. Diese Leute haben die Kunst der Verstellung genauso drauf wie x-beliebige Politiker in allen anderen Parteien.

Das Erstaunliche ist: Während die Politiker aller anderen Parteien durch immer dieselben Netzwerkorganisationen wie zum Beispiel Atlantikbrücke, Bertelsmann-Stiftung oder World Economic Forum gescoutet werden, sucht man nach den Namen von AfD-Leuten in diesen Filtern vergebens. Denn der ehemalige Trump-Intimus Steve Bannon hatte vor etwa zehn Jahren begonnen, auch in Europa eine Internationale des Trumpismus aufzubauen.

So tummelt sich die AfD-Führungsgruppe in der Conservative Political Action Conference, die sich jedes Jahr mindestens einmal in voller Besetzung in einer europäischen Hauptstadt trifft. 2025 fand die Konferenz mal wieder im damals noch von Viktor Orbán regierten Ungarn statt. Dort trafen sich die rechten Parteien aus Spanien, Niederlanden, Slowakei oder Italien.

Auch die deutsche AfD-Führung war da. Alice Weidel agierte hier als «Keynote Speaker» auf dem Podium (3). Als Ehrengast wurde Yair Netanyahu mit stehenden Ovationen begrüßt – als Abgesandter des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu. Die Versammlung bekräftigte ihre uneingeschränkte Solidarität mit der israelischen Regierung.

Auch der Kontakt zu Trumps MAGA-Bewegung ist für die AfD institutionell festgeklopft. So fliegt der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier regelmäßig zu den Treffen der Young Republicans nach New York (4). Mittlerweile ist die AfD ein integraler Bestandteil des Machtsystems von Donald Trump und JD Vance. Von daher ist in der AfD von echtem „Patriotentum“ nichts zu spüren. Die neuen US-Vasallen ersetzen die alten US-Vasallen.

«Die AfD verhindert den Krieg gegen Russland»

Wirklich? Es gibt zwar in der AfD «echte» Befürworter einer Verständigung und Freundschaft auch mit Russland. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Rainer Rothfuß hatte vor einigen Jahren mit dem Mainzer Bauunternehmer Owe Schattauer zusammen die sehr erfolgreichen Drushba-Fahrten durch Russland organisiert. Einfache deutsche Bürger fuhren mit ihrem Auto durch Russland und trafen sich mit einfachen Russen ganz privat von Mensch zu Mensch.

Seitdem der Ukrainekrieg begonnen hat, sind die Drushba-Fahrten nicht mehr durchgeführt worden. Rainer Rothfuß versucht, die Idee der Völkerverständigung auch in die Reihen der AfD zu bringen. Inwieweit er damit Erfolg haben wird, ist noch offen. In meinen Gesprächen mit AfD-Mitgliedern muss ich allerdings immer wieder feststellen, dass Rothfuß in der AfD-Basis weitgehend unbekannt ist. Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute (5).

Ansonsten sieht es in der AfD bezüglich der Verständigung mit Russland eher düster aus. Da ist der Fall der ehemaligen Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten Olga Petersen (6). Frau Petersen ist noch in der Sowjetunion und im postkommunistischen Chaos-Russland des Boris Jelzin aufgewachsen. Ihre Familie siedelte nach Deutschland um. Mit ihren wertkonservativen Überzeugungen schloss sie sich der AfD an und wurde in die Hamburger Bürgerschaft gewählt.

Als sie nach Moskau flog, um sich mit eigenen Augen einen Eindruck über die Präsidentschaftswahlen in Russland zu verschaffen, gab es danach Ärger. Die Hamburger AfD-Fraktion schloss Olga Petersen aus der Fraktion und der Partei aus. Es folgte eine konzertierte Hetze von der Hamburger AfD, der Mainstreampresse und den Behörden (7).

Frau Petersen sah keinen anderen Weg mehr, als nach Russland auszuwandern. Es ist nichts davon bekannt, dass die AfD auf Bundesebene sich jemals vom Petersen-Mobbing der Hamburger Parteikameraden distanziert hätte.

In diesem Jahr wurden auch wieder drei AfD-Bundestagsabgeordnete zur Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen. An der Spitze der Delegation stand der wehrpolitische Sprecher der AfD, Rüdiger Lucassen. Lucassen hatte Karriere bei der Bundeswehr gemacht und war dann in die Politik eingestiegen. In der AfD trat Lucassen hervor mit der Befürwortung der Wehrpflicht. Seine stramm Netanyahu-freundliche Auffassung führte Lucassen dazu, den israelischen Streitkräften eine «fette Beute» bei der Jagd nach Palästinensern zu wünschen (8).

Allerdings führte Lucassens stramm transatlantische und proisraelische Haltung dazu, dass ihn die AfD vor Kurzem einstweilen aus dem Verkehr zog. Lucassen büßte in einer Kampfabstimmung sein Mandat als wehrpolitischer Sprecher der AfD ein.

Doch das bedeutet gar nichts. Denn Parteichefin Alice Weidel plädiert für extreme Aufrüstungsanstrengungen in Deutschland. In einem Statement, das mittlerweile überall getilgt ist, sagt sie in das Mikrophon vom ZDF:

Anmoderation: «Die AfD hält sich bedeckt, wie viel Prozent des Bruttoinlandsprodukts Rüstung ausmachen soll. Vielleicht sogar über fünf Prozent?!»

Weidel (sehr bestimmt): «Ja, das halte ich für sehr wahrscheinlich im Übrigen. Wenn sie (die Regierung) es wirklich ernst meinen mit der Ertüchtigung der Bundeswehr und auch mit der eigenen Landesverteidigung.»

Frager: «Und das würden Sie befürworten?» Weidel: «Aber natürlich!» (9)

Weder Google noch ChatGPT waren willens, mir dieses Zitat zukommen zu lassen. Zum Glück hatte ich es noch in meinem eigenen Archiv. Es scheint ein großes Interesse allseits zu bestehen, die AfD als «Friedenspartei» aufzubauschen. Mehr als fünf Prozent für Aufrüstung? Na, dann gute Nacht, Deutschland!

Der deutsche Mittelstand japst jetzt bereits unter der irrsinnigen Aufrüstungsspirale. Wenn man mit Russland den Ausgleich sucht, gegen wen sollen wir denn so irrsinnig aufrüsten?

Zwischenzeitlich fanden sich in der AfD schon Heißsporne, die für einige Wochen in den ukrainischen Streitkräften gegen Russland zu kämpfen bereit waren (10).

«Können wir so etwas wie die ICE auch in Deutschland einführen?»

Kein Witz. Diese Frage stellt allen Ernstes der stellvertretende Vorsitzende der AfD und finanzpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Kay Gottschalk dem ehemaligen Einsatzleiter der berüchtigten Ausländerpolizei in den USA Greg Bovino. Bovino hatte in Los Angeles und in Minneapolis die Einsätze der berüchtigten United States Immigration and Customs Enforcement, kurz: ICE, geleitet.

Die ICE tritt weniger wie eine seriöse Bundespolizei auf. Eher erinnert das Auftreten der ICE-Schergen an paramilitärische faschistische Schlägerbanden. Und Greg Bovino hatte sich immer sehr operettenhaft in Szene gesetzt. Die ICE hatte nicht nur Einwanderer gequält; auf das Konto der ICE ging auch die öffentliche Ermordung zweier ganz „normaler“ Bürger von Minneapolis. Diese rechtsfreien öffentlichen Exekutionen führten zu einer zwangsweisen Politisierung der US-Bürger, die sich zu Recht bedroht sehen durch diese SA-ähnlichen Rotten.

Und nun postete kürzlich jener AfD-Vize Kay Gottschalk auf X ein Video (11). Kay Gottschalk hatte einen «Remigration Summit» im portugiesischen Porto besucht (12). Dort war Greg Bovino, zu jener Zeit bereits wegen seines extremistischen Auftretens beurlaubter ICE-Einsatzchef, als Starredner aufgetreten. Am Rande der Veranstaltung sprach Kay Gottschalk vor laufender Kamera mit Greg Bovino.

Gottschalk war voll der Bewunderung für Bovino und fragte ihn, ob man so etwas wie ICE auch in Deutschland aufbauen und ob Bovino ihn beraten könne. «Klar, mein Telefon ist immer für dich frei!», antwortet Bovino. Gottschalk fragt dann noch, ob Bovino im deutschen Bundestag auftreten würde. Was der natürlich bejaht.

Ein weiterer Redner beim Remigration Summit war Martin Sellner. Ich habe in Prag beim ersten A-WEF-Treffen im Jahre 2024 auf demselben Diskussionspanel gesessen wie Martin Sellner (13). Ich habe auch sein Buch gelesen (14). Remigration wurde dort sehr durch Watte vorgetragen. Wenn «Remigration» allerdings synonym ist mit den Praktiken der ICE, dann gute Nacht! Störungen des Sozialfriedens haben wir in Deutschland schon gerade genug. Remigration stelle ich mir so vor:

Dieselben Konzerne, die ganze Regionen mit Terror und Krieg überziehen lassen, zahlen eine gigantische Reparationssumme für die Wiedergutmachung der Schäden, die sie angerichtet haben. Aus diesem Fonds werden die zerstörten Regionen wieder aufgebaut. Unter solchen Umständen würden die Geflohenen sicher gerne wieder nach Hause zurückkehren.

Was Sellner und Höcke unter Remigration verstehen, ist etwas ganz anderes. Der Erfurter Flughafen soll zu einem Zentrum für die zwangsweise Entfernung von Kriegsflüchtigen ausgebaut werden (15). Die Menschen werden nicht in ihre Heimat gebracht, sondern in Internierungslager in Drittländern. Der Dauer-Diktator Paul Kagame hat bereits Ruanda als Ort solcher Internierungslager der britischen Regierung angeboten.

Das Ganze steht im Zusammenhang mit einem anderen Projekt, das der AfD sehr am Herzen liegt, nämlich der Einrichtung privatisierter Sonderwirtschaftszonen und Privatstädte, vornehmlich in gescheiterten Staaten in der sogenannten Dritten Welt. Deswegen hat die AfD-Bundestagsfraktion bereits im Jahre 2021, im Windschatten von Corona, einen solchen Antrag eingebracht (16).

Demzufolge soll die deutsche Entwicklungshilfe komplett eingestellt werden. Das eingesparte Geld soll nun komplett für den Aufbau von Privatstädten eingesetzt werden. Also ein Transfer öffentlicher Steuergelder in die Taschen privater Investoren, die schon bereitstehen.

Doch davon an anderer Stelle mehr. Man kann auch mein Buch «Der Neue Feudalismus» lesen, wenn man ad hoc mehr wissen möchte (17).

Es ließe sich noch viel sagen über die AfD. Ich werde in einem weiteren Aufsatz erklären, warum die AfD geradezu in die Regierungsverantwortung geschubst wird. Und inwieweit Antifa und die liberale Klasse dazu ihren Beitrag leisten.

Quellen und Anmerkungen:

(1) Vieles spricht für die Annahme, dass Merz wegen seiner miserablen Umfragewerte demnächst gegen eine andere Figur ausgetauscht wird. Es könnte also einen Interimskanzler vor Alice Weidel geben. Das erwähnte Interview ist hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=uJD-e_ijff4
(2) https://www.manova.news/artikel/gnadenlos-marktradikal
(3) https://www.youtube.com/watch?v=2eWS7MV1Q6Y
(4) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/republikaner-afd-100.html
(5) Rainer Rothfuß: Europa am Kipppunkt. China und die Neuordnung globaler Geopolitik: Europas strategische Positionierung in Eurasien. Lindau 2024
(6) https://www.youtube.com/watch?v=SRVtqu8HqQk
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Olga_Petersen
(8) Leider als Quelle nur Wikipedia, weil die zugrunde liegenden Quellen, auf die sich WP bezieht, mittlerweile gelöscht sind. https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdiger_Lucassen
(9) https://x.com/ju_khatib/status/1877394829786673585
(10) https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/afd-fraktion-landtag-offener-streit-spitzt-sich-zu-100.html
(11) https://x.com/gottschalkmdb/status/2061422035960512830
(12) https://remigrationsummit.com/
(13) Ich hätte das Ereignis gerne dokumentiert, aber bei YouTube herrscht dazu Schweigen im Walde …
(14) Martin Sellner: Remigration – Ein Vorschlag. Schnellroda 2024
(15) https://newstime.joyn.de/themen/politik/trumps-ice-hardliner-gibt-afd-abschiebe-tipps-134326?utm_source=chatgpt.
(16) https://www.bundestag.de/presse/hib/840102-840102
(17) Hermann Ploppa: Der Neue Feudalismus – Privatisierung, BlackRock, Plattformkapitalismus. Marburg 2025.

WHO, Epstein-Spuren und Corona-Aufarbeitung: Die Spur führt tief in globale Macht- und Finanznetzwerke

In einem Gespräch mit dem österreichischen Sender AUF1 haben die Ärztin Maria Hubmer-Mogg, die Rechtswissenschaftlerin Beate S. Pfeil und Rechtsanwalt Philipp Kruse aufgezeigt, wie Macht, Geld und Einfluss hinter der globalen Gesundheitspolitik wirken – und warum die neuen WHO-Pläne Grundrechte und nationale Souveränität erneut unter Druck setzen könnten.

Die Gesprächsteilnehmer berichten von der Veranstaltung «WHO Unmasked» im EU-Parlament, von neuen WHO-Vertragswerken, zentral gesteuerten Gesundheitsnotständen und Recherchen zu möglichen Verbindungen zwischen Finanz-, Stiftungs-, Pandemie- und Epstein-Netzwerken.

Die entscheidende Frage ist: Wer entscheidet künftig im Gesundheitsnotstand – gewählte Regierungen oder internationale Strukturen mit privaten Geldgebern im Hintergrund? Hier geht es zum Interview.

Pilotverfahren gegen Einseitigkeit in den öffentlich-rechtlichen Medien: Leuchtturm ARD zieht vor die nächste Instanz

Die Bürgerinitiative Leuchtturm ARD setzt ihren juristischen Kampf für mehr Perspektivenvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fort. Nachdem der Bayerische Rundfunk auf den Schriftsatz zum sogenannten «Leipziger Pilotverfahren» mit einer aus Sicht der Initiative wenig selbstkritischen Stellungnahme reagiert hat, kündigen die Initiatoren den Gang in die nächste Instanz an.

Im Zentrum des Pilotverfahrens steht die Forderung, der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse seinem gesetzlichen Auftrag nachkommen und die Vielfalt politischer Perspektiven ausgewogen abbilden.

Die einseitige öffentliche Meinungsbildung ist nach Auffassung von Leuchtturm ARD eine der zentralen Ursachen demokratischer Fehlentwicklungen. Gelinge es, echte Perspektivenvielfalt durchzusetzen, könne dies weit über den Medienbereich hinaus Wirkung entfalten und Gewaltenteilung sowie demokratische Kontrolle stärken.

Parallel zum Gerichtsverfahren baut die Initiative ein Netzwerk aus Wissenschaftlern, Juristen, Journalisten, Künstlern und Publizisten auf. Rund 150 Persönlichkeiten unterstützen inzwischen das «Forum der konstruktiven Kritik am ÖRR».

Das Forum versteht sich ausdrücklich nicht als Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern als Reformplattform, die dessen Finanzierung durch Rundfunkbeiträge bejaht, gleichzeitig jedoch politische Unabhängigkeit und Meinungsvielfalt einfordert.

Die Organisatoren rufen nun zu einer stärkeren öffentlichen Vernetzung und zu Spenden für die Prozesskosten auf. Nach ihren Angaben blieb die bisherige Resonanz auf die Finanzierung des Verfahrens deutlich hinter den Erwartungen zurück – obwohl sie das Verfahren als richtungsweisend für die Zukunft der demokratischen Debattenkultur betrachten.

Neutralität neu denken – Sommertagung in Frauenfeld

Welche Neutralität braucht die Schweiz im 21. Jahrhundert? Diese Frage steht im Zentrum der Sommertagung der Zeitschrift «Schweizer Standpunkt», die vom 24. bis 26. Juli in Frauenfeld stattfindet.

Zwei Monate vor der Volksabstimmung über die Neutralitätsinitiative bietet die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, die unterschiedlichen Facetten der Neutralität vertieft zu diskutieren – sachlich, historisch und geopolitisch.

Zu den Referenten gehören der Politikwissenschaftler Wolf Linder, der Friedensforscher Gabriel Galice, der Neutralitätsexperte Pascal Lottaz, die Historiker René Roca und Ralph Bosshard sowie der geopolitische Analyst René Zittlau. Themen sind unter anderem die internationale Bedeutung der Neutralität, Sanktionen als Mittel der Friedenspolitik, die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz sowie das Verhältnis von NATO, EU und schweizerischer Souveränität.

Im Mittelpunkt stehen nicht fertige Antworten, sondern der offene Austausch. Nach jedem Referat bleibt viel Raum für Fragen und Diskussionen mit den Referenten und dem Publikum. Die Tagung kann sowohl vor Ort besucht als auch online per Zoom verfolgt werden.

Weitere Infos:
https://www.schweizer-standpunkt.ch/anlaesse.html

Das andere «Wort zum Sonntag» oder: Über das Schicksal hinaus

Zum wiederholten Male habe ich nun mitbekommen, dass die systemkritischen Menschen in Mitteldeutschland besser untereinander vernetzt sind als im Rest des Landes. «DDR-Erbe» hatte ich das in einem Chat Anfang der Woche genannt. Mein Gegenüber hatte erfasst, was ich damit gemeint hab: eine Solidarität unter der Oberfläche erzwungenen Mitmachens. Sie scheint dort vielen Menschen in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, eine Art kollektiver Epigenetik.

«Ja, wer hätte das gedacht, dass Diktaturerfahrungen noch einmal so nützlich sein können!» schrieb sie zurück, mit einem Lach-Smiley versehen. Unwillkürlich kam mir der alte Professor Martin Anton Schmidt wieder in den Sinn. Bis Mitte der 80er Jahre hatte er an der Theologischen Fakultät in Basel Kirchengeschichte gelehrt. Seine Veranstaltungen hatte ich mit viel Gewinn besucht.

Mitten in einer Vorlesung über die «Kirchengeschichte des Mittelalters» wurde er ganz persönlich. Der nähere Zusammenhang ist mir entfallen, aber sein Bekenntnis, sein «Statement», bleibt mir unvergessen. Es bezog sich auf den Schluss der Josefs-Erzählung aus dem Alten Testament. Auf ärgste Weise von seinen eigenen Brüdern missbraucht, steht Josef − zu neuen Ehren gekommen − vor seinen früheren Übeltätern und spricht ihnen zu:

«Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.» 1. Mose 50, Vers 20

«Das ist der schönste Vers in der ganzen Bibel», bekannte Professor Schmidt in seiner schlichten Art. Ich habe diesen Moment nicht vergessen. Es kam so unverblümt und im besten Sinne normal aus ihm heraus, aus dem gelehrten Mann. Wenig später waren wir wieder bei den Fakten, den anderen.

Zu denen auch jene DDR-Prägungen gehören wie so vieles, vieles, von dem man ausrufen möchte und es oft auch tut: «Das hätt‘ ich wirklich nicht gebraucht! Darauf hätte ich gut und gerne verzichten können!» – Und mit einem Mal, vielleicht lange danach, war es dann doch «zu etwas gut», wie man so sagt.

Das Wort des Josef geht aber eine Schicht tiefer, sein Bogen greift eine Dimension höher. Er erkennt kein «doch irgendwie noch gnädiges Schicksal» an, sondern weiß sich ganz direkt von seinem Gott geführt und getragen. Was ist der Unterschied? Ein Schicksal bleibt irgendwie ominös und bedrohlich; man weiß nie so recht, wann und wo und wie es «zuschlägt» oder ob da und dort «das Universum» es halt doch gut mit einem meinen könnte.

«Gott gedachte es gut zu machen» − das hört sich nach einer Grund-Sicherheit an; zwar rückblickend, aber doch allumfassend. Jeder einzelne Schritt erscheint als ein Teil des letztlich guten Weges, über den Einer gewacht hatte. Dieser Eine ist zudem ansprechbar und nicht bestenfalls nur «diffus positiv». Sprachgeschichtlich bedeutet das Wort Gott «das anzurufende Wesen», und die soweit korrekte Übersetzung von Jahwe, einem der biblischen Gottesnamen, ist «der, der sich erweisen wird» (Luther: «Ich werde sein, der ich sein werde»; 2. Mose 3,14). Die fremde Macht, der «unbekannte Gott», wie ihn die alten Griechen nannten, «er ist nicht ferne von einem jeden unter uns» (Apg 17,27).

Zwischendurch merkt man das und staunt. «Wie treffend!» kommentierte mein Gegenüber diesen Hinweis auf die Josefserzählung, einen der «großen Stoffe der Weltliteratur», wie sie immer wieder genannt wird (hier zum Beispiel).

Schauen wir noch etwas genauer auf jenes Wort aus 1. Mose 50. Der gemeinsame Vater Jakob war gestorben. Die zwölf Brüder kehren samt Josef zurück nach Ägypten, wohin sie ihn vor vielen Jahren verkauft hatten. Auf harten Umwegen war er dann aber in höchste Positionen des Reiches aufgestiegen. Es könnte also für alle gut gesorgt sein − wäre da nicht das nagende schlechte Gewissen seiner nächsten Angehörigen und die Angst, er könne nun doch und erst recht seine Macht ausspielen und sich an ihnen rächen.

Wieder verfallen sie auf eine List: Ihr Vater habe zu seinen Lebzeiten darum gebeten, erklären sie, dass Josef ihnen doch vergeben möge, was sie ihm angetan hatten. Wie reagiert Josef darauf? Er «weinte, als man ihm solches sagte» (Vers 18). Bricht hier noch einmal der ganze alte Schmerz aus ihm heraus, angerührt durch diese emotionale Bitte? Es wäre zutiefst menschlich und verständlich. Denn wir versuchen ja oftmals, den direkten Erinnerungen auszuweichen, und kämpfen mit deren bloßem Echo. Wer das kennt, versteht, was ich meine.

Die Brüder jedenfalls sind in dieser Situation hilflos und setzen alles auf eine Karte. Sie «fielen vor ihm nieder» und nennen sich selber seine «Knechte» (Vers 19). «Joseph aber sprach zu ihnen:

Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.» 1. Mose 50,19f

Ein Lehrstück an Vergebung, diese Haltung. Dabei ist nicht einmal entscheidend, dass hier die Gegenseite ihre Schuld eingesehen und eingestanden hat, wie wir uns das oft wünschen, bevor wir so etwas wie eine Vergebung auch nur annähernd erwägen. Entscheidend ist der eine Satz: «Stehe ich denn an Gottes statt?» «Ist es denn an mir, die ganzen Zusammenhänge einzuordnen, zu bewerten, letzte Urteile zu fällen? Nein, das überlasse ich dem, der viel größer ist und der aus eurer Bosheit jetzt so viel Gutes bewirkt hat.»

Zu vielen Ereignisse und Verbrechen, die jetzt jedem von uns entgegentriggern, mögen vorletzte Urteile durchaus und hoffentlich noch gefällt werden. Die Rede vom Klicken der Handschellen ist beileibe kein unfrommer Wunsch. Aber jenseits von dem Übel, das uns schon entgegengebrandet ist, steht Einer, der unvorhergesehen Gutes draus machen kann. Als der will Er schon im voraus «angerufen» sein. Dann das ist sein «Wesen» als «Gott».

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Das andere «Wort zum Sonntag» vom 12. Juli 2026: «Programmierte Emotionen»

Lothar Mack war als Gemeindepfarrer und bei verschiedenen Hilfswerken und Redaktionen tätig. Sein kritischer Blick auf Kirche und Zeitgeschehen hat ihn in die Selbständigkeit geführt. Er sammelt und ermutigt Gleichgesinnte über Artikel und Begegnungen und ruft in Gottesdiensten und an Kundgebungen zu eigenständigem gläubigem Denken auf. Sein Telegram-Kanal lautet StimmeundWort.


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