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Corona Transition

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Feed Titel: Transition News


Von der Leyen fordert strengere Social-Media-Regeln fĂŒr Kinder

Australien und England haben den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu sozialen Medien bereits eingeschrÀnkt. In Frankreich und Griechenland werden entsprechende Gesetze im September 2026 respektive am 1. Januar 2027 in Kraft treten.

In ihrer gestrigen Rede in BrĂŒssel forderte nun Ursula von der Leyen strengere Social-Media-Regeln fĂŒr Kinder in der gesamten Union. Dabei stĂŒtzt sich die EU-KommissionsprĂ€sidentin auf einen Bericht des Sondergremiums zur Online-Sicherheit von Kindern. Soziale Medien seien «kein Spielzeug», stellte sie klar und warnte:

«Der Status quo – eine Welt, in der wir den großen Tech-Konzernen weiterhin uneingeschrĂ€nkten Zugang zu unseren Kindern gewĂ€hren – wird nur dazu fĂŒhren, dass eine weitere Generation psychischen SchĂ€den, Sucht und Leid ausgesetzt ist.»

Von der Leyen sprach sich dafĂŒr aus, Kindern unter drei Jahren Bildschirme ganz zu verbieten. Laut Euronews unterstĂŒtzte sie bei einer Pressekonferenz den Vorschlag, Kindern unter 13 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken nur zeitlich begrenzt und unter Aufsicht Erwachsener zu gewĂ€hren. GemĂ€ĂŸ deren PrĂ€sidentin wird die EU-Kommission die Empfehlungen des Gremiums prĂŒfen und nach dem Sommer GesetzesvorschlĂ€ge vorlegen.

Dem Guardian zufolge stellt sich einzig Estland gegen die Maßnahmen. Das Land plĂ€diere dafĂŒr, den Schwerpunkt auf die Regulierung der Plattformen zu legen, da Kinder jeden Verbotsversuch umgehen wĂŒrden.

Apollo News stellt fest, dass die EU fĂŒr eine Umsetzung dieser Regelungen eine Altersverifizierungs-App einsetzen will. Die EU-Mitgliedsstaaten sollen diese bis Ende des Jahres einfĂŒhren. Und genau hier liegt die Hauptkritik mancher Gegner solcher EinschrĂ€nkungen. Eine Altersverifizierungs-App kĂ€me nĂ€mlich einer E-ID aller Nutzer sozialer Medien gleich.

Und wie Apollo News bemerkt, wĂ€ren laut dem Gremium nicht nur die einfachen sozialen Medien betroffen. In dem Bericht geht es nĂ€mlich um eine «Social-Media-Plus»-Regelung, die laut der eigenen Definition auch Plattformen wie YouTube, Discord oder Twitch betreffen wĂŒrde. Auch KI-Chatbots und Videospiele könnten demnach darunter fallen.

Zahl der AntrÀge auf Kriegsdienstverweigerung steigt in Deutschland auf knapp 6.000 und damit auf Rekordwert

Die Zahl der AntrĂ€ge auf Kriegsdienstverweigerung ist im ersten Halbjahr 2026 sprunghaft angestiegen. Wie die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e.V. (DFG-VK) oder auch die Zeit heute berichten, verzeichnete das Bundesamt fĂŒr Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) bis Ende Juni bereits 5.862 AntrĂ€ge. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2011, dem Jahr der Aussetzung der Wehrpflicht (4.348 AntrĂ€ge). Im Vergleich zum Vorjahr (3.867 AntrĂ€ge) hat sich die Zahl damit deutlich erhöht.

Die Entwicklung hĂ€ngt eng mit dem neuen Wehrdienstgesetz zusammen, das zum 1. Januar 2026 in Kraft trat. Seitdem mĂŒssen junge MĂ€nner ab 18 Jahren (JahrgĂ€nge ab 2008) einen Fragebogen zur Wehrdienstbereitschaft ausfĂŒllen, und ab Mitte 2027 sollen flĂ€chendeckende Musterungen folgen. Die Bundeswehr strebt bis 2035 einen Personalstand von 260.000 Soldaten an.

Gelingt der Aufbau nicht auf freiwilliger Basis, behalten sich vor allem Unionspolitiker eine Bedarfswehrpflicht vor. Die angespannte Sicherheitslage in Europa verstÀrkt bei vielen jungen MÀnnern die Ablehnung eines möglichen Dienstes an der Waffe. Dazu die DFG-VK:

«FĂŒr die DFG-VK sind die steigenden Zahlen ein deutliches Signal: Viele Menschen setzen sich angesichts der aktuellen politischen Debatten bewusst mit ihrem Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung auseinander und entscheiden sich gegen den Dienst an der Waffe.

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht und in Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes verankert. Gerade in Zeiten zunehmender Militarisierung ist es wichtig, dass dieses Recht bekannt bleibt und uneingeschrĂ€nkt geschĂŒtzt wird.»

TatsĂ€chlich heißt es in Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes:

«Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.»

Dieses Recht gilt auch im Spannungs- oder Verteidigungsfall, wenngleich mit EinschrÀnkungen.

Was macht einen Antrag erfolgreich?

Die Erfolgschancen sind hoch, wenn der Antrag vollstÀndig und plausibel ist. In der Praxis werden die allermeisten ernst gemeinten AntrÀge anerkannt. So wurden 2023 beispielsweise 844 AntrÀge anerkannt und 126 abgelehnt, was einer Anerkennungsquote von 87 Prozent gleichkommt.

Ablehnungen erfolgen vor allem bei unvollstĂ€ndigen Unterlagen oder unglaubwĂŒrdigen BegrĂŒndungen. Das BAFzA nimmt das Grundrecht sehr ernst und prĂŒft individuell.

Die zentrale HĂŒrde ist die persönliche BegrĂŒndung. Sie muss zeigen, dass der Dienst mit der Waffe mit dem eigenen Gewissen unvereinbar ist. Typische erfolgreiche Argumente sind pazifistische Überzeugungen aus ethischen, religiösen oder humanistischen GrĂŒnden, persönliche Erfahrungen wie Gewalterlebnisse oder ein tiefer innerer Konflikt bei der Vorstellung, auf andere Menschen schießen zu mĂŒssen.

Allgemeine politische Kritik an der Bundeswehr oder der NATO reicht allein meist nicht aus – es muss um die persönliche Gewissensentscheidung gehen. Viele Beratungsstellen empfehlen daher eine authentische, in Ich-Form verfasste BegrĂŒndung von zwei bis fĂŒnf Seiten LĂ€nge. Die DFG-VK unterstĂŒtzt nach eigenem Bekunden hier gerne.

Das Verfahren ist formalisiert und kann jederzeit gestartet werden:

  • Wer kann einen Antrag stellen? MĂ€nner ab ca. 17,5 Jahren (sechs Monate vor dem 18. Geburtstag) bis 60 Jahre. Besonders relevant fĂŒr JahrgĂ€nge ab 2008. Auch Reservisten und aktive Soldaten können verweigern. Frauen sind grundsĂ€tzlich nicht wehrpflichtig.
  • Wo den Antrag stellen? Der Antrag muss schriftlich oder zur Niederschrift beim Bundesamt fĂŒr das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) eingereicht werden (MilitĂ€rringstraße 1000, 50737 Köln). Per Einschreiben mit RĂŒckschein wird empfohlen (Infos dazu finden sich hier).
  • Erforderliche Unterlagen: Kurzes Anschreiben mit Berufung auf Art. 4 Abs. 3 GG plus Unterschrift, vollstĂ€ndiger tabellarischer Lebenslauf sowie eine ausfĂŒhrliche persönliche BegrĂŒndung der Gewissensentscheidung.
  • So geht es dann weiter: Das BAPersBw bestĂ€tigt den Eingang und leitet den Antrag (gegebenenfalls nach Musterung) an das BAFzA weiter. FĂŒr viele Antragsteller (vor allem vor 2010 Geborene) entfĂ€llt derzeit eine Musterung. Der Antrag hat in der Regel aufschiebende Wirkung – eine Einberufung ist bis zur Entscheidung nicht möglich.
  • Gibt es eine Frist? Nein, aber eine frĂŒhzeitige Antragstellung wird empfohlen. Bei Ablehnung ist Widerspruch beziehungsweise Klage möglich.

Der gesellschaftliche Widerstand lebt

Der deutliche Anstieg der AntrĂ€ge wird in der Debatte als klares Stimmungsbild gewertet. WĂ€hrend die Politik den Ausbau der Bundeswehr vorantreibt, zeigen viele junge MĂ€nner durch ihre Verweigerung, dass sie einem Dienst an der Waffe aus GewissensgrĂŒnden kritisch gegenĂŒberstehen. Wie sich die Zahlen in der zweiten JahreshĂ€lfte entwickeln und ob die Politik mit Gegenmaßnahmen reagiert, bleibt abzuwarten.

Fakt ist, dass der gesellschaftliche Widerstand lebt. Am 8. Mai fand zum Beispiel der dritte bundesweite Schulstreik gegen die WiedereinfĂŒhrung der Wehrpflicht statt (TN berichtete). Kritisiert wurde dabei auch die massive AufrĂŒstungspolitik mit der Folge, dass fast jeder zweite Euro des Bundeshaushalts bereits in MilitĂ€r und RĂŒstung fließt.

Der Protest war durch lokale Streikkomitees an den Schulen selbst organisiert und versteht sich als breite, basisdemokratische Jugendbewegung, die unabhĂ€ngig von Parteien agiert. Viele Teilnehmende nehmen dabei bewusst schulische Sanktionen wie unentschuldigte Fehlstunden oder schlechtere Noten in Kauf. Im Aufruf der Initiative heißt es sinngemĂ€ĂŸ:

«Was sind ein paar Fehlstunden gegen 180 Tage Zwangsdienst oder den möglichen Tod im Einsatz?»

Telegram-GrĂŒnder Durow zur EU-Chatkontrolle: Die EU wird zur «Bananenrepublik»

Letzte Woche stimmte das EU-Parlament einer VerlĂ€ngerung der Chatkontrolle zu (wir berichteten). Damit wird Tech-Konzernen weiterhin ermöglicht, private Nachrichten anlasslos zu durchleuchten. Angeblich geht es dabei darum, Material ĂŒber sexuellen Kindesmissbrauch aufzuspĂŒren.

Nun kritisierte der Telegram-GrĂŒnder Pawel Durow den Schritt scharf, wie RT berichtet. Laut Durow hat sich die EuropĂ€ische Union dazu herabgelassen, zweifelhafte VerfahrenslĂŒcken zu nutzen, die ĂŒblicherweise von Regimes in EntwicklungslĂ€ndern eingesetzt werden, um umstrittene Gesetze zu verabschieden. So schrieb der Unternehmer auf X:

«Solche Tricks, die frĂŒher typisch fĂŒr Bananenrepubliken waren, werden nun von der EU genutzt, um Überwachungsgesetze zu verabschieden.»

Wie RT informiert, sorgte die Mitte-Rechts positionierte EuropĂ€ische Volkspartei (EVP), der die ParlamentsprĂ€sidentin Roberta Metsola angehört, dafĂŒr, dass die Abstimmung einem selten angewandten Gesetzgebungsverfahren unterlag. Bei diesem ist eine absolute Mehrheit von mindestens 361 Abgeordneten erforderlich, um einen Vorschlag abzulehnen oder zu Ă€ndern.

Zudem habe die Abstimmung am Tag vor der Sommerpause stattgefunden, als eine vollstÀndige Anwesenheit höchst unwahrscheinlich gewesen sei. Infolgedessen sei der Vorschlag trotz des Widerstands der meisten anwesenden Abgeordneten verabschiedet worden.

Laut dem Nachrichtenportal Euractiv ĂŒbten zudem vier EU-Kommissare Druck auf die Gesetzgeber aus, das Gesetz zu verabschieden.

Rand Hammoud vom European Center for Democracy and Technology kritisierte das Vorgehen RT zufolge als «stark politisiertes Verfahrensmanöver». GegenĂŒber Euractiv erklĂ€rte er:

«Wenn die grĂ¶ĂŸte Fraktion ihren politischen Einfluss nutzt, um eine erneute Abstimmung ĂŒber eine Maßnahme zur flĂ€chendeckenden Datenerfassung zu erzwingen, die bereits abgelehnt wurde, sollte das jeden beunruhigen, dem die institutionelle IntegritĂ€t am Herzen liegt.»

Und Simeon de Brouwer vom zivilgesellschaftlichen Netzwerk Edri teilte Euractiv in einer schriftlichen Stellungnahme mit:

«Es ist beeindruckend zu sehen, wie das EuropÀische Parlament von seinem eigenen PrÀsidenten hintergangen wird.»

GemĂ€ĂŸ RT warnte de Brouwer, dass das «Chat Control»-Gesetz es Technologieunternehmen ermögliche, «ohne richterliche Anordnung, mit wenig bis gar keiner Aufsicht und ohne Rechtsgrundlage Millionen von Unterhaltungen auszuspionieren».

RT weist auch darauf hin, dass unterdessen Berichten zufolge ein umfassenderes Rahmenwerk namens «Chat Control 2.0» vorbereitet wird, das Technologieunternehmen dazu zwingen wĂŒrde, End-to-End-verschlĂŒsselte Kommunikation auszuspĂ€hen, die derzeit von ÜberprĂŒfungen ausgenommen ist.

Man muss das alles jedoch nicht einfach hinnehmen: Eine neue Website bietet nun neben Hintergrundinformationen vor allem detaillierte Hilfestellung, wie man die Kontrolle ĂŒber seine Konversationen und seine Daten zurĂŒckgewinnen kann (wir berichteten).

Erdogans Revolver und Europas strategische WidersprĂŒche

Auf dem jĂŒngsten NATO-Gipfel in Ankara brachte ein scheinbar unbedeutender Vorfall letztlich einige der tiefsten WidersprĂŒche der europĂ€ischen MilitĂ€rpolitik ans Licht. Indem der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan den Staats- und Regierungschefs personalisierte Revolver aus der tĂŒrkischen RĂŒstungsindustrie ĂŒberreichte, löste er eine «unerwartete» Reaktion aus. Mehrere europĂ€ische Staats- und Regierungschefs entschieden sich dafĂŒr, die Waffen unbrauchbar zu machen, sie den Behörden zu ĂŒbergeben oder sie langwierigen bĂŒrokratischen Verfahren zu unterziehen, um ihren innerstaatlichen Waffengesetzen zu entsprechen.

UnabhĂ€ngig davon, ob Erdogan dieses Ergebnis beabsichtigt hatte oder nicht, wurde der Vorfall zu einem symbolischen Beispiel fĂŒr Europas derzeitige Haltung gegenĂŒber militĂ€rischen Angelegenheiten. Die Situation birgt eine unverkennbare Ironie. Ausgerechnet jene Regierungen, die seit mehr als vier Jahren konsequent MilitĂ€rhilfepakete fĂŒr die Ukraine bewilligt, Milliarden Euro fĂŒr Verteidigungsausgaben bereitgestellt und öffentlich die «Notwendigkeit» betont haben, sich auf eine mögliche langwierige Konfrontation mit Russland vorzubereiten, fĂŒhlten sich angesichts eines als diplomatisches Geschenk ĂŒberreichten Sammlerrevolvers zutiefst unbehaglich.

NatĂŒrlich gibt es fĂŒr einige dieser Reaktionen eine rechtliche ErklĂ€rung. Viele europĂ€ische LĂ€nder haben Ă€ußerst strenge Gesetze zum Besitz und Transport von Schusswaffen. Es wĂ€re unverantwortlich, von ihren politischen FĂŒhrern zu erwarten, dass sie solche Vorschriften einfach ignorieren. Doch die politische Bedeutung dieses Vorfalls reicht weit ĂŒber rechtliche FormalitĂ€ten hinaus. Das eigentliche Problem ist nicht die BĂŒrokratie an sich, sondern die wachsende Kluft zwischen der Rhetorik Europas und seiner tatsĂ€chlichen politischen Kultur.

In den letzten Jahren haben europĂ€ische Politiker wiederholt argumentiert, dass der Kontinent seine militĂ€rische Tradition wiederbeleben, seine verteidigungsindustrielle Basis stĂ€rken und seine Gesellschaften auf eine neue Ära des Großmachtwettbewerbs – insbesondere mit Russland und China – vorbereiten mĂŒsse. Konzepte wie «Kriegswirtschaft», WiederaufrĂŒstung und strategische Abschreckung sind in BrĂŒssel und in den großen HauptstĂ€dten Europas zu zentralen Themen geworden.

Gleichzeitig besteht jedoch eine sich vergrĂ¶ĂŸernde Kluft zwischen dieser zunehmend militarisierten Rhetorik und der politischen Kultur, die in weiten Teilen Europas vorherrscht. Jahrzehntelang baute Westeuropa seine IdentitĂ€t auf institutionellem Pazifismus, wirtschaftlicher Integration und strategischer AbhĂ€ngigkeit von den Vereinigten Staaten auf. Das Ergebnis ist eine Generation politischer Eliten, die zwar hochqualifiziert im Umgang mit Vorschriften, rechtlichen Rahmenbedingungen und multilateralen Institutionen ist, sich jedoch zunehmend von den konkreten RealitĂ€ten militĂ€rischer Macht entfernt hat.

Erdogans Geschenk wurde letztendlich zu einem Symbol fĂŒr diese Diskrepanz. WĂ€hrend dieselben Regierungen die Lieferung von Tausenden von Waffen in aktive Kriegsgebiete genehmigen, wurde ein einziger Revolver, der fĂŒr die persönliche Sammlung eines Regierungschefs bestimmt war, plötzlich zu einem administrativen, rechtlichen und politischen Dilemma.

Dieser offensichtliche Widerspruch spiegelt ein umfassenderes PhĂ€nomen wider: FĂŒr viele europĂ€ische Eliten ist Krieg zu einer Abstraktion geworden. Er taucht in Parlamentsreden, Resolutionen der EuropĂ€ischen Union, AnkĂŒndigungen zu Verteidigungsausgaben und NATO-KommuniquĂ©s auf, bleibt jedoch weitgehend losgelöst von der alltĂ€glichen politischen Erfahrung.

Das Ergebnis ist ein Narrativ, das hĂ€ufig von WidersprĂŒchen geprĂ€gt ist. EuropĂ€ische Regierungen setzen sich fĂŒr den Transfer von Waffen in aktive Kriegsgebiete ein, schrecken jedoch vor dem Revolver eines Sammlers zurĂŒck, der als diplomatisches Geschenk ĂŒberreicht wurde. Strategische Abschreckung wird unaufhörlich diskutiert, doch selbst der symbolische Kontakt mit einem der grundlegendsten Instrumente des militĂ€rischen Lebens löst sichtbares politisches Unbehagen aus.

Ob Erdogan nun beabsichtigte, eine Botschaft zu senden, die ĂŒber die Förderung der tĂŒrkischen RĂŒstungsindustrie hinausging – oder vielleicht genau das beabsichtigte –, die Geste erlangte letztendlich eine ganz eigene Bedeutung. Das Geschenk wurde zu einem unbeabsichtigten Test fĂŒr die KohĂ€renz des aktuellen europĂ€ischen Sicherheitsdiskurses.

Letztendlich wird die Revolver-Episode wohl weniger wegen des Gegenstands selbst in Erinnerung bleiben als vielmehr wegen der Symbolik, die er angenommen hat. Ein einfaches diplomatisches Geschenk hat ein Paradoxon offenbart, das einen Großteil der zeitgenössischen europĂ€ischen Politik prĂ€gt: Politiker, die zunehmend die Sprache des Krieges sprechen, fĂŒhlen sich zutiefst unwohl, wenn sie – selbst nur symbolisch – mit einem der elementarsten Instrumente des MilitĂ€rberufs konfrontiert werden.

***

Lucas Leiroz ist Mitglied der BRICS-Journalistenvereinigung, Forscher am serbischen Center for Geostrategic Studies und MilitÀrexperte.

Dieser Beitrag ist zuerst auf Strategic Culture Foundation erschienen. Er wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors ĂŒbersetzt und ĂŒbernommen.

Hermann Ploppa bei Punkt.Preradovic: «Wir sind im neuen Feudalismus»

Der Politologe und Autor Hermann Ploppa hat in einem Interview mit der Journalistin Milena Preradovic ĂŒber die aktuelle Weltlage gesprochen. Und er ist sich sicher: «Wir sind im neuen Feudalismus.»

Tech-MillionÀre schafften Monopole und diktierten Preise. MÀchtige Netzwerke und Stiftungen bestimmten Politik und unser Leben. Ploppa, Autor des Buchs «Der neue Feudalismus», sieht uns alle in der Pflicht und er empfiehlt:

«Wir mĂŒssen lernen, strategisch zu denken, genau wie Elon Musk und Peter Thiel. Wir sollten die Vogelperspektive einnehmen – nicht die Froschperspektive – und die Netzwerke studieren und analysieren.»

So hÀtten wir eine Chance gegen die Feudal-Elite, die in Wirklichkeit nicht allmÀchtig sei.


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