Die eingebettete Alternative
Dieser Beitragerschien zuerst auf Manova. Tranition News durfte ihn mit freundlicher Genehmigung des Autors ĂŒbernehmen.
Man möchte ja gern an irgendjemanden glauben. Das ist ein menschliches GrundbedĂŒrfnis. Nachdem die «Altparteien» durch die Bank versagt haben und dabei sind, das Land gegen die Wand zu fahren, richtet sich die Erlösungssehnsucht vieler auf die AfD. Werden die Deutschalternativen endlich Frieden mit Russland schaffen? Werden sie die Ăberschuldungsdynamik durch ausufernden RĂŒstungswahn stoppen?
Wer sich darauf verlĂ€sst, wird sich im Fall einer RegierungsĂŒbernahme der AfD erneut getĂ€uscht sehen. Alice Weidel & Co. stehen in Treue fest hinter dem 5-Prozent-Ziel bei AufrĂŒstung und hinter der Völkermordpolitik Israels. Statt Fluchtursachen abzumildern, propagieren sie mehr HĂ€rte gegen FlĂŒchtlinge nach dem Vorbild der US-amerikanischen ICE-Behörde. Statt auf ArmutsbekĂ€mpfung setzen sie auf PrivatstĂ€dte und damit auf weitere soziale Spaltung.
Wer innerhalb der Partei fĂŒr bessere Kontakte zu Russland plĂ€diert, sieht sich vielfach isoliert. Anstatt der AfD andauernd das Falsche vorzuwerfen â eine «Nazi-Partei» zu sein â oder sie maĂlos zu idealisieren, sollte sich der Diskurs endlich der nĂŒchternen Wahrheit annĂ€hern und klar machen, worin die wirkliche Gefahr des Aufstiegs der Rechtspopulisten liegt.
Wird die AfD uns in friedliche Zeiten fĂŒhren? Wohl eher nicht. Meine neuesten Recherchen haben mich einmal mehr schockiert. In einem Interview wurde ich gefragt, ob Jens Spahn den amtierenden glĂŒcklosen Bundeskanzler Friedrich Merz ablösen könnte. Ich sagte: Nein, das glaube ich nicht. Denn Spahn sei durch seine TĂ€tigkeit als Gesundheits- respektive Krankheitsminister politisch fĂŒr solche hohen Ămter verbrannt. Mit einiger Bestimmtheit sagte ich: Frau Weidel wird nĂ€chste oder ĂŒbernĂ€chste Bundeskanzlerin (1)! Daraufhin wurde ich gefragt: Nach allem,was wir jetzt wissen, ist nicht die AfD die einzige Alternative zur herrschenden Misere?
Offen gesagt, habe ich ĂŒberhaupt keine Lust mehr, noch irgendetwas ĂŒber die AfD zu sagen. Da klappt die TĂŒr bei vielen Leuten gleich zu. Denn die Verzweiflung drauĂen im Lande ist so gewaltig, dass niemand mehr wissen will, was die AfD eigentlich wirklich vorhat.
Man kann unter AfD-Sympathisanten fragen, so viel man will: Keiner hat sich jemals mit der Programmatik der AfD befasst. Wenn ich jetzt auspacke, was ich ĂŒber die AfD weiĂ, dann werden mir viele Leute nicht mehr zuhören. Leute, die ohne diesen parteipolitischen Schwenk meiner Argumentation durchaus noch lĂ€nger zuhören wĂŒrden. Nochmal: Die Verzweiflung ist Deutschland ist so groĂ, dass die Leute nach jedem noch so glitschigen Strohhalm greifen â egal, was dann kommt.
Die Vereinfacher sind immer im Vorteil
«Die» AfD gibt es natĂŒrlich nicht. Mittlerweile gibt es in dieser Partei eine Reihe unterschiedlicher Strömungen. In einer Analyse habe ich 2017 gezeigt, dass die AfD zunĂ€chst von «feinen Pinkeln» aus der oberen Etage unserer Gesellschaft gegrĂŒndet wurde und eine unverhohlen marktradikale Agenda im Sinne des Friedrich von Hayek oder eines Anarchokapitalisten vom Schlage eines Hans-Hermann Hoppe vor sich hertrug (2).
Die direkte Ableitung aus der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft war nicht zu ĂŒbersehen. Doch dann kamen im groĂen Stil völkische KrĂ€fte vom Schlage eines Björn Höcke in die AfD. Diese Leute verdrĂ€ngten die GrĂŒnder wie Bernd Lucke oder Frauke Petry. Die gemeinsame Teilmenge mit der FDP verlor sich.
Heute bestimmen clevere Karrieristen das Bild in der AfD. Diese Leute haben die Kunst der Verstellung genauso drauf wie x-beliebige Politiker in allen anderen Parteien.
Das Erstaunliche ist: WĂ€hrend die Politiker aller anderen Parteien durch immer dieselben Netzwerkorganisationen wie zum Beispiel AtlantikbrĂŒcke, Bertelsmann-Stiftung oder World Economic Forum gescoutet werden, sucht man nach den Namen von AfD-Leuten in diesen Filtern vergebens. Denn der ehemalige Trump-Intimus Steve Bannon hatte vor etwa zehn Jahren begonnen, auch in Europa eine Internationale des Trumpismus aufzubauen.
So tummelt sich die AfD-FĂŒhrungsgruppe in der Conservative Political Action Conference, die sich jedes Jahr mindestens einmal in voller Besetzung in einer europĂ€ischen Hauptstadt trifft. 2025 fand die Konferenz mal wieder im damals noch von Viktor OrbĂĄn regierten Ungarn statt. Dort trafen sich die rechten Parteien aus Spanien, Niederlanden, Slowakei oder Italien.
Auch die deutsche AfD-FĂŒhrung war da. Alice Weidel agierte hier als «Keynote Speaker» auf dem Podium (3). Als Ehrengast wurde Yair Netanyahu mit stehenden Ovationen begrĂŒĂt â als Abgesandter des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu. Die Versammlung bekrĂ€ftigte ihre uneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€t mit der israelischen Regierung.
Auch der Kontakt zu Trumps MAGA-Bewegung ist fĂŒr die AfD institutionell festgeklopft. So fliegt der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier regelmĂ€Ăig zu den Treffen der Young Republicans nach New York (4). Mittlerweile ist die AfD ein integraler Bestandteil des Machtsystems von Donald Trump und JD Vance. Von daher ist in der AfD von echtem âPatriotentumâ nichts zu spĂŒren. Die neuen US-Vasallen ersetzen die alten US-Vasallen.
«Die AfD verhindert den Krieg gegen Russland»
Wirklich? Es gibt zwar in der AfD «echte» BefĂŒrworter einer VerstĂ€ndigung und Freundschaft auch mit Russland. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Rainer RothfuĂ hatte vor einigen Jahren mit dem Mainzer Bauunternehmer Owe Schattauer zusammen die sehr erfolgreichen Drushba-Fahrten durch Russland organisiert. Einfache deutsche BĂŒrger fuhren mit ihrem Auto durch Russland und trafen sich mit einfachen Russen ganz privat von Mensch zu Mensch.
Seitdem der Ukrainekrieg begonnen hat, sind die Drushba-Fahrten nicht mehr durchgefĂŒhrt worden. Rainer RothfuĂ versucht, die Idee der VölkerverstĂ€ndigung auch in die Reihen der AfD zu bringen. Inwieweit er damit Erfolg haben wird, ist noch offen. In meinen GesprĂ€chen mit AfD-Mitgliedern muss ich allerdings immer wieder feststellen, dass RothfuĂ in der AfD-Basis weitgehend unbekannt ist. Ich wĂŒnsche ihm von Herzen alles Gute (5).
Ansonsten sieht es in der AfD bezĂŒglich der VerstĂ€ndigung mit Russland eher dĂŒster aus. Da ist der Fall der ehemaligen Hamburger BĂŒrgerschaftsabgeordneten Olga Petersen (6). Frau Petersen ist noch in der Sowjetunion und im postkommunistischen Chaos-Russland des Boris Jelzin aufgewachsen. Ihre Familie siedelte nach Deutschland um. Mit ihren wertkonservativen Ăberzeugungen schloss sie sich der AfD an und wurde in die Hamburger BĂŒrgerschaft gewĂ€hlt.
Als sie nach Moskau flog, um sich mit eigenen Augen einen Eindruck ĂŒber die PrĂ€sidentschaftswahlen in Russland zu verschaffen, gab es danach Ărger. Die Hamburger AfD-Fraktion schloss Olga Petersen aus der Fraktion und der Partei aus. Es folgte eine konzertierte Hetze von der Hamburger AfD, der Mainstreampresse und den Behörden (7).
Frau Petersen sah keinen anderen Weg mehr, als nach Russland auszuwandern. Es ist nichts davon bekannt, dass die AfD auf Bundesebene sich jemals vom Petersen-Mobbing der Hamburger Parteikameraden distanziert hÀtte.
In diesem Jahr wurden auch wieder drei AfD-Bundestagsabgeordnete zur MĂŒnchner Sicherheitskonferenz eingeladen. An der Spitze der Delegation stand der wehrpolitische Sprecher der AfD, RĂŒdiger Lucassen. Lucassen hatte Karriere bei der Bundeswehr gemacht und war dann in die Politik eingestiegen. In der AfD trat Lucassen hervor mit der BefĂŒrwortung der Wehrpflicht. Seine stramm Netanyahu-freundliche Auffassung fĂŒhrte Lucassen dazu, den israelischen StreitkrĂ€ften eine «fette Beute» bei der Jagd nach PalĂ€stinensern zu wĂŒnschen (8).
Allerdings fĂŒhrte Lucassens stramm transatlantische und proisraelische Haltung dazu, dass ihn die AfD vor Kurzem einstweilen aus dem Verkehr zog. Lucassen bĂŒĂte in einer Kampfabstimmung sein Mandat als wehrpolitischer Sprecher der AfD ein.
Doch das bedeutet gar nichts. Denn Parteichefin Alice Weidel plĂ€diert fĂŒr extreme AufrĂŒstungsanstrengungen in Deutschland. In einem Statement, das mittlerweile ĂŒberall getilgt ist, sagt sie in das Mikrophon vom ZDF:
Anmoderation: «Die AfD hĂ€lt sich bedeckt, wie viel Prozent des Bruttoinlandsprodukts RĂŒstung ausmachen soll. Vielleicht sogar ĂŒber fĂŒnf Prozent?!»
Weidel (sehr bestimmt): «Ja, das halte ich fĂŒr sehr wahrscheinlich im Ăbrigen. Wenn sie (die Regierung) es wirklich ernst meinen mit der ErtĂŒchtigung der Bundeswehr und auch mit der eigenen Landesverteidigung.»
Frager: «Und das wĂŒrden Sie befĂŒrworten?» Weidel: «Aber natĂŒrlich!» (9)
Weder Google noch ChatGPT waren willens, mir dieses Zitat zukommen zu lassen. Zum GlĂŒck hatte ich es noch in meinem eigenen Archiv. Es scheint ein groĂes Interesse allseits zu bestehen, die AfD als «Friedenspartei» aufzubauschen. Mehr als fĂŒnf Prozent fĂŒr AufrĂŒstung? Na, dann gute Nacht, Deutschland!
Der deutsche Mittelstand japst jetzt bereits unter der irrsinnigen AufrĂŒstungsspirale. Wenn man mit Russland den Ausgleich sucht, gegen wen sollen wir denn so irrsinnig aufrĂŒsten?
Zwischenzeitlich fanden sich in der AfD schon HeiĂsporne, die fĂŒr einige Wochen in den ukrainischen StreitkrĂ€ften gegen Russland zu kĂ€mpfen bereit waren (10).
«Können wir so etwas wie die ICE auch in Deutschland einfĂŒhren?»
Kein Witz. Diese Frage stellt allen Ernstes der stellvertretende Vorsitzende der AfD und finanzpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Kay Gottschalk dem ehemaligen Einsatzleiter der berĂŒchtigten AuslĂ€nderpolizei in den USA Greg Bovino. Bovino hatte in Los Angeles und in Minneapolis die EinsĂ€tze der berĂŒchtigten United States Immigration and Customs Enforcement, kurz: ICE, geleitet.
Die ICE tritt weniger wie eine seriöse Bundespolizei auf. Eher erinnert das Auftreten der ICE-Schergen an paramilitĂ€rische faschistische SchlĂ€gerbanden. Und Greg Bovino hatte sich immer sehr operettenhaft in Szene gesetzt. Die ICE hatte nicht nur Einwanderer gequĂ€lt; auf das Konto der ICE ging auch die öffentliche Ermordung zweier ganz ânormalerâ BĂŒrger von Minneapolis. Diese rechtsfreien öffentlichen Exekutionen fĂŒhrten zu einer zwangsweisen Politisierung der US-BĂŒrger, die sich zu Recht bedroht sehen durch diese SA-Ă€hnlichen Rotten.
Und nun postete kĂŒrzlich jener AfD-Vize Kay Gottschalk auf X ein Video (11). Kay Gottschalk hatte einen «Remigration Summit» im portugiesischen Porto besucht (12). Dort war Greg Bovino, zu jener Zeit bereits wegen seines extremistischen Auftretens beurlaubter ICE-Einsatzchef, als Starredner aufgetreten. Am Rande der Veranstaltung sprach Kay Gottschalk vor laufender Kamera mit Greg Bovino.
Gottschalk war voll der Bewunderung fĂŒr Bovino und fragte ihn, ob man so etwas wie ICE auch in Deutschland aufbauen und ob Bovino ihn beraten könne. «Klar, mein Telefon ist immer fĂŒr dich frei!», antwortet Bovino. Gottschalk fragt dann noch, ob Bovino im deutschen Bundestag auftreten wĂŒrde. Was der natĂŒrlich bejaht.
Ein weiterer Redner beim Remigration Summit war Martin Sellner. Ich habe in Prag beim ersten A-WEF-Treffen im Jahre 2024 auf demselben Diskussionspanel gesessen wie Martin Sellner (13). Ich habe auch sein Buch gelesen (14). Remigration wurde dort sehr durch Watte vorgetragen. Wenn «Remigration» allerdings synonym ist mit den Praktiken der ICE, dann gute Nacht! Störungen des Sozialfriedens haben wir in Deutschland schon gerade genug. Remigration stelle ich mir so vor:
Dieselben Konzerne, die ganze Regionen mit Terror und Krieg ĂŒberziehen lassen, zahlen eine gigantische Reparationssumme fĂŒr die Wiedergutmachung der SchĂ€den, die sie angerichtet haben. Aus diesem Fonds werden die zerstörten Regionen wieder aufgebaut. Unter solchen UmstĂ€nden wĂŒrden die Geflohenen sicher gerne wieder nach Hause zurĂŒckkehren.
Was Sellner und Höcke unter Remigration verstehen, ist etwas ganz anderes. Der Erfurter Flughafen soll zu einem Zentrum fĂŒr die zwangsweise Entfernung von KriegsflĂŒchtigen ausgebaut werden (15). Die Menschen werden nicht in ihre Heimat gebracht, sondern in Internierungslager in DrittlĂ€ndern. Der Dauer-Diktator Paul Kagame hat bereits Ruanda als Ort solcher Internierungslager der britischen Regierung angeboten.
Das Ganze steht im Zusammenhang mit einem anderen Projekt, das der AfD sehr am Herzen liegt, nÀmlich der Einrichtung privatisierter Sonderwirtschaftszonen und PrivatstÀdte, vornehmlich in gescheiterten Staaten in der sogenannten Dritten Welt. Deswegen hat die AfD-Bundestagsfraktion bereits im Jahre 2021, im Windschatten von Corona, einen solchen Antrag eingebracht (16).
Demzufolge soll die deutsche Entwicklungshilfe komplett eingestellt werden. Das eingesparte Geld soll nun komplett fĂŒr den Aufbau von PrivatstĂ€dten eingesetzt werden. Also ein Transfer öffentlicher Steuergelder in die Taschen privater Investoren, die schon bereitstehen.
Doch davon an anderer Stelle mehr. Man kann auch mein Buch «Der Neue Feudalismus» lesen, wenn man ad hoc mehr wissen möchte (17).
Es lieĂe sich noch viel sagen ĂŒber die AfD. Ich werde in einem weiteren Aufsatz erklĂ€ren, warum die AfD geradezu in die Regierungsverantwortung geschubst wird. Und inwieweit Antifa und die liberale Klasse dazu ihren Beitrag leisten.
Quellen und Anmerkungen:
(1) Vieles spricht fĂŒr die Annahme, dass Merz wegen seiner miserablen Umfragewerte demnĂ€chst gegen eine andere Figur ausgetauscht wird. Es könnte also einen Interimskanzler vor Alice Weidel geben. Das erwĂ€hnte Interview ist hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=uJD-e_ijff4
(2) https://www.manova.news/artikel/gnadenlos-marktradikal
(3) https://www.youtube.com/watch?v=2eWS7MV1Q6Y
(4) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/republikaner-afd-100.html
(5) Rainer RothfuĂ: Europa am Kipppunkt. China und die Neuordnung globaler Geopolitik: Europas strategische Positionierung in Eurasien. Lindau 2024
(6) https://www.youtube.com/watch?v=SRVtqu8HqQk
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Olga_Petersen
(8) Leider als Quelle nur Wikipedia, weil die zugrunde liegenden Quellen, auf die sich WP bezieht, mittlerweile gelöscht sind. https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdiger_Lucassen
(9) https://x.com/ju_khatib/status/1877394829786673585
(10) https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/afd-fraktion-landtag-offener-streit-spitzt-sich-zu-100.html
(11) https://x.com/gottschalkmdb/status/2061422035960512830
(12) https://remigrationsummit.com/
(13) Ich hĂ€tte das Ereignis gerne dokumentiert, aber bei YouTube herrscht dazu Schweigen im Walde âŠ
(14) Martin Sellner: Remigration â Ein Vorschlag. Schnellroda 2024
(15) https://newstime.joyn.de/themen/politik/trumps-ice-hardliner-gibt-afd-abschiebe-tipps-134326?utm_source=chatgpt.
(16) https://www.bundestag.de/presse/hib/840102-840102
(17) Hermann Ploppa: Der Neue Feudalismus â Privatisierung, BlackRock, Plattformkapitalismus. Marburg 2025.
Daran dachte ich nicht. Ich fand mich wenig spĂ€ter aus ganz anderen GrĂŒnden in einer Buchhandlung wieder und lieĂ das Sortiment im gewohnten Zwielicht der IntentionalitĂ€t an mir vorbeifliegen. Plötzlich spannte sich der Bogen doch. Ich hatte ja ein Thema, und die Buchhandlung hatte ein Buch. Es war Elena Ferrantes einzigartige Essaysammlung âAn den RĂ€ndernâ (Suhrkamp). Auf ihrem erstaunlichen Coverbild ist eine kleine, offenbar weibliche RĂŒckenfigur abgebildet, die an der roten Randmarkierung eines grobkarierten Blattes steht und in die jenseitige Dunkelheit starrt, ihr gegenĂŒber bloĂ zwei weiĂe Punkte. Augen, vermutlich. Ich griff zu.



None of this was on my mind. A little later, for entirely different reasons, I found myself in a bookshop, letting the shelves drift past me in the familiar twilight of intentionality. Then, suddenly, the arc closed. I had a topic, and the bookshop had a book. It was Elena Ferranteâs singular essay collection In the Margins (Europa Editions). Its astonishing cover shows a small RĂŒckenfigur, apparently female, standing at the red margin line of a sheet of graph paper and staring into the darkness beyond, faced by nothing but two white dots. Eyes, presumably. I reached for it.