Frankreich baut Atomschirm «zum Schutz» Europas aus
Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron hat kĂŒrzlich eine Aktualisierung der französischen Nukleardoktrin vorgestellt. In einer Rede zum Thema offenbarte er die Vision, seinen nuklearen Schutzschirm auf gröĂere Teile Europas auszuweiten. «Wir treten in eine Phase der erweiterten Abschreckung ein», betonte Macron. Frankreich werde fĂŒr die kollektive Sicherheit Europas eintreten.
Im Rahmen der neuen Strategie will Frankreich entsprechende Ăbungen fĂŒr europĂ€ische VerbĂŒndete öffnen und seine strategischen KrĂ€fte, einschlieĂlich der Luftwaffe, in ganz Europa einsetzen. Macron kĂŒndigte auĂerdem an, dass Frankreich seinen Bestand an Atomsprengköpfen â derzeit auf etwa 300 geschĂ€tzt â erhöhen werde. Eine genaue Zahl nannte er nicht. «Wir werden keine Zahlen mehr kommunizieren», sagte der französische Regierungschef.
Acht europĂ€ische LĂ€nder â Deutschland, das Vereinigte Königreich, Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden und DĂ€nemark â haben sich laut Macron bereit erklĂ€rt, sich an diesen BemĂŒhungen zu beteiligen. Deutschland will bereits in diesem Jahr strategische Standorte besuchen und an gemeinsamen Ăbungen teilnehmen. Zudem haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Macron eine gemeinsame ErklĂ€rung herausgegeben, in der die Einrichtung einer «Lenkungsgruppe» fĂŒr eine engere Zusammenarbeit bei der «nuklearen Abschreckung» angekĂŒndigt wird.
Schon im Februar hatte Merz auf der MĂŒnchener Sicherheitskonferenz kundgetan, dass Deutschland bereits vertrauliche GesprĂ€che mit Frankreich gefĂŒhrt habe â und dass Berlin sowie andere europĂ€ische MĂ€chte ĂŒber die Einrichtung einer europaweiten nuklearen Abschreckung diskutiert hĂ€tten (wir berichteten).
Zwar hatte Merz in diesem Zusammenhang betont, dass er keine deutschen Atomwaffen anstrebe und sich an den 1990 geschlossenen Zwei-Plus-Vier-Vertrag halten wolle, der sowohl den Besitz als auch die VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber Atomwaffen ausschlieĂt, aber seine begeisterte UnterstĂŒtzung der französischen PlĂ€ne hat dennoch einen unangenehmen Beigeschmack.