Das andere «Wort zum Sonntag» oder: Heilige Krieger?
Man kann das schon ausrufen: «Gott mit uns!» Man kann es sogar gläubigen Herzens ausrufen, wenn man sich sicher ist, dass die eigene Sache zugleich Gottes Weg und Willen ist. Dann möge Er sie segnen, wenn ich und meine Gemeinschaft sie dann auch vollziehen. Aber dieses Denken setzt eben etwas anderes voraus, nämlich das aufrichtige «Wir mit Gott».
Oder als Frage formuliert: Wer zieht und wer wird gezogen? Vorn dran die eigenen Vorsätze und Entschlüsse und unter dem Planwagen dann der Herrgott, der ihnen Schub verleihen möge? Oder zieht da vorne der Geber von Leib und Leben und Segen, und wir lassen uns gerne mitnehmen in das Neue Land, das wir selber erst erahnen?
Sage niemand, das seien nur fromme Gedankenspiele. Das ist Weltpolitik, besonders deutlich in diesen Tagen.
Gehen wir nur eine Woche zurück. Am Sonntag, dem 22. Februar, waren Gouverneure, Richter sowie Mitglieder von Armee und Regierung zu einem Bankett im Weißen Haus zusammengekommen. Das Eingangsgebet sprach kein Geringerer als Verteidigungsminster Pete Hegseth; neben ihm Präsident Donald Trump. Er forderte die Anwesenden auf, sich zum Gebet zu sammeln.
Ich bitte dich, dass du ihnen [den hier Anwesenden] die Weisheit schenkst, um das Richtige zu erkennen, und den Mut, es auch zu tun: Weisheit als die Furcht des Herrn, die Furcht des Herrn als der Quelle allen Wissens und aller Weisheit. Mögen deine ewigen Wahrheiten regieren.
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Ich wäre nachlässig, wenn ich heute Abend nicht auch für unsere großartigen Truppen beten würde, unsere Männer und Frauen auf der ganzen Welt, die unsere großartige Nation verteidigen wie schon vor 250 Jahren. Herr unser Gott, schütze und behüte sie.
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In deinem heiligen Namen, Herr Jesus Christus, dem König aller Könige und Herrn aller Herren, beten wir; und segne auch dieses Essen.
Jetzt sind sie also wieder aktiv geworden, die großartigen Truppen, die nun wie vor 250 Jahren ihre großartige Nation verteidigen. Hegseth und Trump schicken sie in den Krieg, und «der Herr unser Gott, er möge sie schützen und bewahren».
Das klingt nach einem göttlichen Weg. Gott geht voran in seinem jahrhundertealten Segen, und gleichwie zur mythischen Urzeit, so folgen auch sie nun diesem gelobten Treck, nur einige Planwagen weiter hinten. Haben ihre Vorfahren im eigenen Land gegen ihre Feinde gekämpft, so tun sie es jetzt «all over the globe». Der eigentliche Feldherr ist ja derselbe geblieben: der «König aller Könige und Herr aller Herren».
Ich zögere sehr, aus dieser impliziten Anfrage eine explizite Beurteilung dieses Gebets zu machen. Das steht mir nicht zu. Jeder verantwortet seine eigenen Worte und seine eigenen Taten. Ich weise aber darauf hin, dass der Grat sehr schmal sein kann zwischen demütigem Anvertrauen und hochmütigem Vereinnahmen. «Wir sind mit Gott auf einem gemeinsamen guten Weg» oder «Gott ist mit uns und unseren vorgefassten Plänen». Der Gott der Bibel, der sich in der Geschichte erweist, steht gegen den Ungeist aller Zeiten, der sich selbst überhöht.
Diese allesentscheidende Trennlinie beider Welten haben nicht nur die Herren Hegseth und Trump zu beachten. Sie in den Blick zu nehmen, stünde auch seinen Mitspielern im heutigen Israel gut zu Gesichte und Geiste.
Es ist nicht statthaft, sich an alten Abrahamsverheißungen zu berauschen, die damals jenem Erzvater ein Land «von dem Strom Ägyptens bis an den großen Strom, den Euphrat» (1. Mose 15,18), zugesagt hatten, nur weil sie gar so schön mit dem eigenen Machtstreben harmonieren wollen, − und darüber ausgerechnet das Erste Gebot zu vergessen, nach dem
«… der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht» (2. Mose 20,7);
egal, wie dessen Titel lauten, welcher Great Nation er vorsteht und wie erwählt er sich selber wähnt.
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Das andere «Wort zum Sonntag» vom 22. Februar 2026: Epstein, Epstein, alles muss versteckt sein!
Lothar Mack war als Gemeindepfarrer und bei verschiedenen Hilfswerken und Redaktionen tätig. Sein kritischer Blick auf Kirche und Zeitgeschehen hat ihn in die Selbständigkeit geführt. Er sammelt und ermutigt Gleichgesinnte über Artikel und Begegnungen und ruft in Gottesdiensten und an Kundgebungen zu eigenständigem gläubigem Denken auf. Sein Telegram-Kanal lautet StimmeundWort.