Ernährungsinitiative setzt auf Bauern und Selbstversorgung – Abstimmung über Agrarwende im Herbst erwartet
Die «Initiative für eine sichere Ernährung» sucht vor der erwarteten Volksabstimmung im Herbst 2026 den Schulterschluss mit den Schweizer Landwirten. In einem Brief an die Bauernschaft warnt das Initiativkomitee vor einer gefährlichen Importabhängigkeit und fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Agrarpolitik.
Im Zentrum steht die Versorgungssicherheit. Der heutige Selbstversorgungsgrad der Schweiz liege nur noch bei 42 Prozent. Im Krisenfall könne dies dramatische Folgen haben. Zur Untermauerung zitieren die Initianten Bundesrat Guy Parmelin mit der Aussage, die Schweiz habe «jeden zweiten Tag nichts zu essen», wenn es Probleme an den Grenzen gebe.
Die Initiative verlangt deshalb einen verbindlichen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent. Dies solle den Bauern mehr Produktions- und Absatzsicherheit verschaffen und zugleich neue Marktchancen eröffnen, insbesondere beim Anbau pflanzlicher Lebensmittel, die heute zu großen Teilen importiert werden. Vorgesehen sind zudem Direktzahlungen, Grenzschutz und Investitionshilfen.
Auffällig ist der sicherheitspolitische Ton der Kampagne. Landwirtschaft wird nicht primär als Wirtschaftszweig verstanden, sondern als strategische Grundlage staatlicher Krisenvorsorge. Damit reiht sich die Initiative in die breitere Debatte über Resilienz, Neutralität und nationale Versorgungssicherheit ein, die seit «Pandemie», Ukrainekrieg und geopolitischen Spannungen an Bedeutung gewonnen hat.
Im Unterschied zur Trinkwasserinitiative, die 2021 deutlich scheiterte, verzichtet die Ernährungsinitiative auf die Forderung, Direktzahlungen an den Verzicht auf synthetische Pestizide zu knüpfen. Stattdessen setzt sie auf Versorgungssicherheit und Stärkung der einheimischen Produktion. Das Parlament hat die Vorlage im März 2026 ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Ein Termin für die Abstimmung ist noch nicht festgelegt. Sie dürfte im Herbst stattfinden.