«Brooklyn Project» â Epsteins dystopisches wissenschaftliches Netzwerk
Der deutsche Journalist Frank Höfer, GrĂŒnder von NuoViso (heute NuoFlix), hat sich tief in den Kaninchenbau der Epstein-Files begeben und Erstaunliches hervorgebracht. Aus dem ausgegrabenen E-Mail-Verkehr entsteht das Bild eines hochintelligenten Jeffrey Epstein, der fĂ€hig ist, mit einem philosophischen Ansatz interdisziplinĂ€r und vielschichtig zu denken. Er beschĂ€ftigte sich intensiv mit Grenzwissenschaften.
Höfers Untersuchung legt die Verflechtung von Elitewissenschaft, transhumanistischen Bestrebungen und krimineller Ausbeutung offen. Seine PrĂ€sentation in der jĂŒngsten «Home-Office»-Sendung hört sich wie ein futuristischer Wissenschafts-Thriller an â faszinierend und gleichzeitig beĂ€ngstigend. Der Journalist macht allerdings klar, dass es sich dabei lediglich um einen Bruchteil der verfĂŒgbaren Dokumente ĂŒber dieses Thema handelt.
Offensichtlich war der SexualstraftĂ€ter nicht «lediglich» ein Mathematiker und Investor, der unter anderem junge Frauen missbrauchte und sie mutmaĂlich im Auftrag von Geheimdiensten fĂŒr bekannte Persönlichkeiten besorgte, um diese erpressbar zu machen. Epstein beteiligte sich nĂ€mlich an Spitzenforschung und finanzierte und leitete ein Netzwerk von Wissenschaftlern, Unternehmern und VisionĂ€ren, die insbesondere an KĂŒnstlicher Intelligenz (KI), Robotik, Bewusstseinsforschung, Genetik und LebensverlĂ€ngerung arbeiteten. Unter anderem hat er laut Höfer Investoren dazu gebracht, Milliarden in Firmen wie Hanson Robotic oder Elon Musks Neuralink zu investieren.
Im Kern geht es in dem Video um das um 2007/2008 ins Leben gerufene «Brooklyn Project»: Ein geheimes, groĂ angelegtes KI- und Biotechnologie-Forschungsprojekt, das in den E-Mails als neues «Manhattan Project» â das US-Atomforschungsprojekt im letzten Jahrhundert â bezeichnet wird. Dabei geht es insbesondere um menschliche Verbesserung. Epstein war bei dem Projekt die zentrale Figur. Er pflegte einen regen E-Mail-Austausch mit fĂŒhrenden Forschern, organisierte Treffen und förderte Kooperationen.
Der SexualstraftĂ€ter war in diesem Rahmen in kontroverse und unethische AktivitĂ€ten verwickelt. So ĂŒberschnitt sich selbst der massenhafte sexuelle Missbrauch mit seinen wissenschaftlichen Bestrebungen fĂŒr experimentelle Forschung.
SchlĂŒsselfiguren waren neben Epstein die KI-Forscher Ben Goertzel und Marvin Minski, der deutsche Kognitionswissenschaftler Joscha Bach sowie weitere Wissenschaftler fĂŒhrender UniversitĂ€ten und Technologieunternehmen. Als eine der «ominösesten Figuren im gesamten Epstein-Netzwerk» bezeichnet Höfer die russische Investorin Maria Drokova, genannt «Masha», die heute den Nachnamen Bucher verwendet.
Viele der mit Epstein verbundenen Personen und Projekte sind weiterhin aktiv oder werden kritisch ĂŒberprĂŒft. Einige sind aufgrund ihrer Verbindungen mit dem SexualstraftĂ€ter von ihren Stellungen zurĂŒckgetreten. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, inwieweit die moderne KI- und Biotechnologieforschung durch diese verdeckten AktivitĂ€ten beschleunigt oder beeinflusst wurde. Im Fokus stehen Ethik, Transparenz und die weitreichenden gesellschaftlichen Folgen.
Ziel des Projekts war ursprĂŒnglich die Entwicklung einer allgemeinen kĂŒnstlichen Intelligenz (AGI), die innerhalb von vier Jahren zunĂ€chst das Niveau eines Kleinkindes und innerhalb von zehn Jahren das eines Erwachsenen erreichen sollte. Das geplante Budget betrug rund vier Millionen US-Dollar pro Jahr. Das Forschungsspektrum reichte aber weit ĂŒber die praktische Entwicklung von KI hinaus und beinhaltete auch esoterische Studien ĂŒber Bewusstsein und Parapsychologie â eine ungewöhnliche Mischung aus harter Wissenschaft und Randideen. Dabei ging es auch um Forschung an den Schnittstellen der unterschiedlichen Disziplinen.
Neben Versuchen zur Entwicklung selbstlernender KI-Systeme gehörten somit zu den Forschungsgebieten auch das fundamentale VerstĂ€ndnis des menschlichen Bewusstseins sowie dessen Erhaltung und Ăbertragung, einschlieĂlich Kopftransplantationen und Gehirnemulation â also das Gehirn im Computer nachbilden â in Kombination mit Robotik. Von «kosmischem Bewusstsein» ist die Rede, einem virtuellen Bewusstsein in einem «unsterblichen kybernetischen Körper». Auch die Anwendung der CRISPR-Technologie und Designerbabys waren Thema.
Zum Beispiel war ein Ziel, Designerbabys durch Spermamodifikation zu machen und dabei das Bewusstsein in der DNA zu speichern, um gewissermassen einen Klon von sich selbst zu erzeugen. Epstein investierte persönlich in diese Forschung, hat dafĂŒr sein Sperma abgegeben und versuchte offenbar, seine eigene DNA weit zu verbreiten. Höfer kommentiert:
«Der wollte nicht einfach nur Frauen begatten, um Babys zu zeugen. Der wollte sich selbst reproduzieren, weil er dachte, mit seiner DNA erschafft er quasi ein Klon von sich selbst, dann ist in diesem Klon auch sein Bewusstsein.»
Hinzu kommt die Erforschung von Telepathie, dem Savant-Syndrom und verÀnderten BewusstseinszustÀnden, oft verbunden mit psychedelischer Forschung und der Suche nach «besonderen FÀhigkeiten». Nicht zuletzt fand eine Zusammenarbeit mit Forschern statt, die Quanteneffekte auf die Gehirnfunktion untersuchen.
Epstein scheute sich im Rahmen dieses Projekts auch nicht, renommierte Wissenschaftler zu maĂregeln. Beispielsweise schrieb er 2016 an Joscha Bach:
«Persönlich gesagt, war fĂŒr deine Karriere keine groĂe Hilfe, dass du zu Chomsky meintest, er solle lieber ruhig sein, damit er vielleicht etwas Neues lernen könne. Ihn persönlich anzugreifen, ergab wenig Sinn, und egal wie sehr ich versuchte, dich zu beruhigen, bist du in deine eigene Tirade verfallen. In Zukunft sollten du und ich ein âčsicheresâș Wort haben: Wenn ich es sage, MUSST DU AUFHĂREN â egal, wie sehr du weitermachen willst. Es bedeutet STOPP. Hier hast du keine Argumente vorgebracht, die weder Noam noch Martin und ich als gut strukturiert empfanden. Es war stark emotional statt rational und geduldig.»
Bach bedankte sich bei «Jeffrey», dass er «nach all dem» noch mit ihm spreche. Er habe nun eine Pause eingelegt und werde «sehr darauf achten», sich in einer Debatte «nicht wieder in eine solche Lage zu bringen. Es war höchst beschÀmend».
Der deutsche Kognitionswissenschaftler empfahl Epstein ĂŒbrigens, in Dinge wie postapokalyptische Wissenschaften zu investieren.
Es lohnt sich, das gesamte «Home-Office»-Video anzuschauen. Das «Brooklyn Project» ist ab Minute 16:40 Thema.