Jacob Nordangård: Durch die Multikrise zur Weltregierung
Transition News: Einige meinen, die jüngsten Krisen und die damit verbundenen Geschäftemachereien seien reiner Zufall, der Kapitalismus funktioniere eben so: Eins führt zum anderen, niemand plane eine Weltregierung. In Ihrem Buch «Die digitale Weltkontrolle», das soeben in einer aktualisierten und erweiterten deutschen Fassung erschienen ist, zeigen Sie allerdings sehr deutlich, dass einige einem klaren Plan folgen, mit den Vereinten Nationen im Zentrum. Auf welche Quellen stützen Sie Ihre Forschung?
Jacob Nordangård: Es handelt sich um Originalquellen der Vereinten Nationen sowie all jener Organisationen, die den UN-Zukunftspakt vorbereitet haben. Meine Untersuchungen stützen sich also im Wesentlichen auf die Aussagen dieser Institutionen selbst. Ich habe auch andere Quellen konsultiert, zum Beispiel das Weltwirtschaftsforum (WEF), das eine Partnerschaft mit den Vereinten Nationen eingegangen ist.
Seit wann besteht diese Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und dem Weltwirtschaftsforum?
Im Juni 2019 fand die offizielle Unterzeichnung des Abkommens statt, mit dabei: der ehemalige WEF-Chef Klaus Schwab sowie der damalige WEF-Präsident Børge Brende, der UN-Generalsekretär António Guterres sowie die UN-Vize-Generalsekretärin Amina Mohammed. Doch die UN und das WEF haben bereits davor kooperiert. Mohammed war beispielsweise im Vorstand vom Young Global Leaders-Programm. Das heißt, dass die Vereinten Nationen und das WEF schon etwa ein Jahrzehnt vor der offiziellen Partnerschaft eng verbunden waren.
Hatten die Entwicklungen rund um Jeffrey Epstein Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Als ich die schwedische Ausgabe dieses Buchs geschrieben habe, lag mein Fokus auf «Our Common Agenda» der UN, auf Deutsch: «Unsere gemeinsame Agenda». Erst mit der Veröffentlichung der Epstein-Akten wurde mir bewusst, wie sehr Epstein mit einigen der Schlüsselfiguren dieser UN-Agenda, wie zum Beispiel Brende, verwickelt war. In die englische und deutsche Version habe ich einige dieser Informationen einfließen lassen.
Der Inhalt der Epstein-Akten bestätigt im Grunde meine bisherigen Beobachtungen und das, worüber ich auch in meinen früheren Büchern, darunter «Rockefeller – das Spiel kontrollieren» und «Der globale Staatsstreich» geschrieben habe. Darin habe ich diese Akteure und Netzwerke dargestellt.
Epstein war Mitglied der Trilateralen Kommission, die 1973 von David Rockefeller ins Leben gerufen worden ist. Rockefeller hat Epstein in diesen Kreis geholt und auch in den Council on Foreign Relations, eine weitere wichtige Denkfabrik, die vor allem die amerikanische Außenpolitik mitgestaltet.
Welche Aufgabe hatte Epstein?
In seinem letzten Interview mit Steve Bannon im Frühjahr 2019 erzählt er, wie David Rockefeller ihn mit Anfang 30 in die Trilaterale Kommission eingeladen habe und es dabei vor allem um seine Finanzkompetenz gegangen sei. Er bestätigt aber auch, dass er gute Kontakte und ein Netzwerk hatte. Er verfügte über einige Fähigkeiten, die der Trilateralen Kommission nützlich waren.
Derzeit liegt der Fokus vor allem auf dem Sexhandel und den beteiligten Minderjährigen. Doch Epstein war wichtig, um Menschen miteinander zu vernetzen. So freundete er sich beispielsweise mit Brende, dem ehemaligen Präsidenten des Weltwirtschaftsforums an, und sie erörterten, wie das WEF die Rolle der Vereinten Nationen übernehmen könne. Er war also eine Schlüsselfigur in diesen einflussreichen Netzwerken.
In einem aktuellen Artikel schreiben Sie, dass wir uns mitten im Zusammenbruch der alten Ordnung befänden. Was ist die «alte Ordnung»?
Die alte Ordnung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Bretton-Woods-Institutionen – Weltbank und Internationaler Währungsfond –, der Gründung der Vereinten Nationen und den Vereinigten Staaten als führender Supermacht. Darauf folgte der Kalte Krieg. Ich bezeichne den zweiten Teil dieser Ära als «warmen Krieg», da damals der Klimawandel zu einem der größten globalen Probleme hochstilisiert worden ist. Die Ära nach dem Kalten Krieg wird von den Vereinigten Staaten dominiert – es handelt sich also um ein unilaterales System.
Was jetzt geschieht: Diese alte Ordnung zerfällt. Die Rolle der Vereinigten Staaten wird sich wandeln, und infolgedessen wird sich auch die UN als Weltorganisation verändern. Das markiert das Ende des Petrodollar-Systems und all der Errungenschaften des amerikanischen Imperiums. Der UN-Zukunftspakt von 2024 – Pact for the Future – ist Teil dieser bevorstehenden Entwicklung.
Bevor wir näher auf den UN-Zukunftspakt eingehen: Der englische Titel Ihres Buches lautet «The Digital World Brain». Woher stammt die Idee eines Weltgehirns?
Den Titel habe ich bei H. G. Wells, dem Science-Fiction-Autor und politischen Schriftsteller, entlehnt. Er gehörte der Fabian-Gesellschaft an und war sehr an utopischen Ideen für ein neues Weltsystem interessiert. In seinem Buch «World Brain» beschreibt er ein neues System, mit einer Weltregierung, die den weltweiten Informationsfluss kontrolliert und mithilfe der Wissenschaft eine Utopie erschafft. Die Wissenschaft entscheidet, was gemacht wird und was die Menschheit glauben soll – basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die von einigen wenigen kontrolliert werden. Es handelt sich also um eine Wissenschaftsdiktatur. Dieser Text stammt aus den 1930er-Jahren. Die Idee dahinter ist jedoch älter und wurde mehrfach neu aufgegriffen.
Die moderne Wissenschaftsdiktatur geht auf Wells zurück. Aber auch Julian Huxley, ein Freund von Wells, und der Jesuit Pierre Teilhard de Chardin vertraten ähnliche Ansichten über den technologischen Wandel und eine technologische Gesellschaft, eine Art Techno-Utopie.
In Ihrem aktuellen Buch analysieren Sie die zwölf Vorschläge der Vereinten Nationen, die in «Our Common Agenda» enthalten sind. Diese Agenda wurde 2021 veröffentlicht, um daraus Verpflichtungen abzuleiten, mit denen die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) umgesetzt werden sollen. Zu diesen Verpflichtungen gehören unter anderem: niemanden zurücklassen, Vertrauen aufbauen, der Jugend zuhören. Das klingt doch alles ganz vernünftig. Was hat das mit einer Wissenschaftsdiktatur oder Techno-Utopie zu tun?
Solche Pläne werden immer in schöne Worte verpackt. Aber wir müssen uns vor Augen führen, was dahintersteckt. Nehmen wir den Slogan «Niemanden zurücklassen» und sehen uns an, was «Our Common Agenda» – «unsere gemeinsame Agenda» – und der «Zukunftspakt» der UN damit wirklich wollen: Es geht dabei um die Digitalisierung von mehr oder weniger allem auf diesem Planeten, alles, was erfasst und überwacht werden kann.
Es ist ein perfekt geordnetes und kontrolliertes System. Niemand soll zurückgelassen werden, da jeder Teil des Systems sein muss. Sicherheitshalber wird jeder überwacht.
Und wenn «wir» «unserer gemeinsamen Agenda» zufolge den Menschen zuhören wollen, geht es darum, zu erfahren, was sie machen und denken. Nicht darum, dass Bürger wirklich Mitspracherecht bekommen. «Wir» haben eine Vision und einen Pakt für die Zukunft. Und «unsere» Pläne sollen verwirklicht werden, dazu möchten «wir» wissen, wie die Leute reagieren.
Pseudowissenschaft als Religion
Aber alles basiert auf «ihrer» Wissenschaft. Ich halte diese «Wissenschaft» für eine Pseudowissenschaft. Das ist keine echte Wissenschaft, sondern eine politische Vision, die als Wissenschaft verkauft wird. Ich habe lange an der Universität gelehrt und geforscht - Wissenschaft bedeutet, alles zu hinterfragen, um immer besser zu werden.
Doch hier wird «die Wissenschaft», die zu einem großen Teil auf Modellrechnungen und Computersimulationen basiert, als Religion instrumentalisiert: Wenn die Menschen «unseren» Weg gehen, führt er zum Paradies, wenn nicht, führt er zur Hölle. «Wir» müssen die Menschen also überzeugen, sich dafür zu entscheiden, wie «wir» es bei den Vereinten Nationen besprechen. «Wir» haben dieses eine große Ziel.
«Our Common Agenda» und «The Pact for the Future» gründen sich auf Verhaltensdesign und Verhaltenswissenschaft. Dieser Behaviorismus wird genutzt, um Menschen in die richtige Richtung zu lenken. Das entspricht totalitärem Denken. Es ist kein besonders empathischer Umgang mit Menschen, sondern macht Menschen zu Objekten, die programmiert werden können, damit sie den Visionen derjenigen, die hinter diesen Plänen stecken, besser entsprechen.
Und wenn es heißt: «Wir wollen den Jugendlichen zuhören und mit ihnen zusammenarbeiten», läuft es im Grunde darauf hinaus, dass die jungen Menschen in eine bestimmte Richtung gelenkt werden sollen.
Die Jugendlichen können nicht einfach frei ihre Meinung äußern. Sie werden gefragt: «Wie findest Du die Klimapolitik, soll sie strenger oder nachgiebiger sein?» «Ich glaube nicht daran», ist als Antwort nicht vorgesehen. Es handelt sich um «Fakten», die nicht hinterfragt werden dürfen. Fragebögen und Fokusgruppen dienen nur dazu, die umgesetzten Maßnahmen zu rechtfertigen.
Warum scheint das Jahr 2030 so im Fokus zu stehen?
Weil es diese 15-Jahrespläne gibt. Ab 2000 gab es diesen Testlauf mit den Millenniums-Entwicklungszielen bis 2015 – nur wenige haben davon gehört oder erinnern sich daran –, die Ziele wurden nicht erreicht. Doch dieses Mal, für das Jahr 2030, gewinnt alles enorm an Bedeutung und wird seit 2015 propagandistisch instrumentalisiert. Ich vermute jedoch, dass die Vereinten Nationen die «Ziele für nachhaltige Entwicklung», so wie sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, bis 2030 nicht mehr erfolgreich umsetzen können.
Es wird also neue Ziele für 2045 geben – ein äußerst wichtiger Zeitpunkt. In den Zukunftsszenarien wird das Vorhaben als «The Great Transition» beschrieben – es geht darum, bis zum 100-jährigen Jubiläum der UN eine Weltregierung zu installieren. Die Zeit bis dahin ist eine Übergangsphase, und wir befinden uns gerade im ersten Abschnitt dieses Umbruchs. 2030 ist einfach ein wichtiges Jahr auf dem Weg dahin.
Cyber-biologische Systeme
Und wie trägt künstliche Intelligenz (KI) dazu bei, dieses «eine große Vorhaben» umzusetzen?
Ich glaube, die Eliten dieser Welt betrachten KI als ein perfektes System, weil sie früher auf andere Menschen zur Ausführung ihrer Befehle angewiesen waren – deswegen können totalitäre Systeme langfristig niemals Bestand haben.
Wenn sie stattdessen dieses KI-gesteuerte System nutzen, steht den Eliten niemand mehr im Weg: Niemand kann es von innen heraus zerstören. Sie können Regeln und Vorschriften festlegen und dem autonomen KI-System, dem Steuerungssystem der Welt, sagen, was sie erreichen wollen, und es wird umgesetzt.
Woher stammt eigentlich diese Vorstellung, dass sich die Menschheit mit Maschinen und dem Finanzsystem vereinen könnte?
Auch das ist eine alte Idee und eng mit dem Transhumanismus verbunden. Dazu gehört die Eugenik, mit dem Ziel, den Menschen zu verändern und ihn zu verbessern. Mit dem Transhumanismus wurde das auf eine neue Ebene gehoben, indem man uns mithilfe von Technologie verändert, in das System integriert und digitalisiert.
Diese Entwicklung hat zu Beginn des Computerzeitalters, besonders ab den 1990er Jahren stattgefunden. So wie viele andere habe ich das damals einfach nur für Hirngespinste einiger Technikfreaks gehalten. Aber inzwischen ist das allgegenwärtig und dient als Grundlage der Vierten Industriellen Revolution. Denn insbesondere im Weltwirtschaftsforum stießen diese transhumanistischen Ideen auf fruchtbaren Boden.
Und 2019 haben die Vereinten Nationen und das WEF eben diese Partnerschaft geschlossen, damit das Weltwirtschaftsforum die UN bei der Umsetzung der Agenda 2030 unterstützt. Dies geschieht mithilfe der Technologien der Vierten Industriellen Revolution, genauer gesagt mithilfe cyber-biologischer Systeme. Dabei verschmelzen Mensch, Maschine und das Finanzsystem. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn so kommt es zur vollständigen Umgestaltung des alten, des sterbenden Systems. Wir werden uns also in das Finanzsystem integrieren.
Wie weit ist dieses Vorhaben, das cyber-biologische System, gediehen? Liegen die Eliten im Zeitplan?
Wir brauchen doch nur drei Jahrzehnte zurückzublicken, um zu sehen, dass bereits viel erreicht worden ist – die Menschen sind sehr anpassungsfähig. Hier in Schweden wird fast kein Bargeld mehr verwendet. Vor 30 Jahren zahlte jeder bar, Kartenzahlungen waren unüblich. Die sogenannte «Pandemie» oder auch Kriege dienen dazu, ohne viel Aufsehen die Systeme zu verändern, weil die Menschen an andere Dinge denken.
Auch lokal werden Kriege geführt, wie hier in Schweden, in meiner Heimatstadt: Wir haben Bombenanschläge, Schießereien und Kriminalität. Gleichzeitig wird diese Agenda umgesetzt: Seit zwei Jahren sind Überwachungskameras im öffentlichen Straßenraum erlaubt und inzwischen sind sie auch überall installiert.
Mit dem WEF zur UNO 2.0

Screenshot der UN-Webseite «Pact for the Future»
Wie ist der UN-Zukunftspakt – Pact for the Future –, der ein sehr wichtiger Meilenstein zu sein scheint, zustande gekommen?
2020 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen eine Resolution, in der sie Generalsekretär Guterres aufforderten, ein Dokument mit folgender Fragestellung zu erstellen: Wie können wir eine bessere, effektivere UNO erschaffen, die auf Krisen wie die «Corona-Pandemie» reagieren kann?
Daraufhin fanden Verhandlungen statt und elf Strategiepapiere wurden veröffentlicht, Teile davon wurden in Our Common Agenda übernommen und ergänzt. Diese Agenda ist eher kurz gehalten und beschreibt nur die angestrebten Ziele. Daneben gab es aber Handlungsempfehlungen, die deutlich umfangreicher sind und in denen alle Themen eingehend erörtert und konkrete Vorschläge zu den angestrebten Zielen erarbeitet wurden.
Anschließend kamen die Mitgliedstaaten zusammen, um diese Empfehlungen zu diskutieren und so ein Dokument zu erarbeiten, das als Zukunftspakt dient. Es gab also drei aufeinanderfolgende Phasen. Dem UN-Zukunftspakt sollten alle Staaten im Voraus zustimmen, um ihn effizienter umsetzen zu können.
Stimmen 2024 alle Länder dem Zukunftspakt und einer UNO 2.0 zu? Und falls ja, welchem Zweck dient das multipolare Narrativ?
Wie gesagt, der Pakt wurde von allen Mitgliedstaaten vereinbart und von den Vereinten Nationen und den Mitgliedstaaten angenommen. Russland hat erklärt, dass es nicht alle Punkte umsetzen wird. In meinem Buch lege ich dar, dass sie vorhaben, die ihrer Meinung nach sinnvollen Punkte zu befolgen, insbesondere die Digitalisierungsagenda.
Zur Multipolarität: Ich sehe die Welt derzeit im selben Zustand wie nach dem Zweiten Weltkrieg, als Großbritannien seine Macht verloren hat und das britische Empire nach der Suez-Krise allmählich zerfallen ist. Wir erleben derzeit etwas Ähnliches. Die Vereinigten Staaten können nicht mehr dasselbe tun oder erreichen wie zuvor, und es ist teuer – so endet ein Imperium meistens: Das Geld geht aus, die Ressourcen sind erschöpft, es rentiert sich nicht mehr.
Jetzt wird ein multipolares System mit Regionen vorbereitet. Eine Organisation namens Stimson Center ist maßgeblich an der Erstellung der Handlungsempfehlungen für den UN-Zukunftspakt beteiligt gewesen und betont immer wieder diese zukünftige Weltordnung mit Regionen.
Der Geostratege Zbigniew Brzeziński gründete zusammen mit David Rockefeller die Trilaterale Kommission und war zeitweise Sicherheitsberater von Jimmy Carter. In seinem Buch «The Grand Chessboard» entwickelte er Vorschläge zur Funktionsweise des amerikanischen Imperiums. Ziel war die Vorbereitung und Gestaltung einer neuen Welt, in der die Vereinigten Staaten nicht länger führend sind, sondern die UN diese Rolle übernehmen: Die Regionen der Welt würden unter dem Dach der Vereinten Nationen zusammenarbeiten – einer modernisierten, handlungsfähigen Organisation, die weltweit effizient agieren kann und nicht mehr nur ein informeller Zirkel ist.
Trump und die Mulitkrise der Super-Klasse
Welchen Zweck haben in diesem Zusammenhang Krisen wie «Corona», die Energie- und Nahrungsmittelkrise – die Multikrise?
Diese Krisen dienen als Auslöser. Denn etwas sehr Wichtiges wurde mit dem UN-Zukunftspakt von 2024 nicht erreicht: die Schaffung einer sogenannten Notfallplattform. Stattdessen befinden wir uns nun in dieser permanenten Krisensituation, die der Welt zeigt, dass wir nicht vorbereitet sind und diese Probleme nicht lösen können.
Ich habe darüber bereits in meiner Doktorarbeit geschrieben, über diese Ereignisse, die notwendig sind, um neue politische Maßnahmen einzuführen und die Zustimmung der Öffentlichkeit zu gewinnen.
Und durch die Handlungen des US-Präsidenten Donald Trump entstehen noch mehr Probleme. Auch dabei geht es darum, Zustimmung für das neue Weltsystem zu erreichen, um die Notfallplattform und eine UN 2.0 durchzudrücken. Die aktuelle Multikrise wird denjenigen, die diese Pläne zur Modernisierung der Vereinten Nationen erarbeitet haben, letztendlich helfen, die nötige Zustimmung für die Umsetzung zu erlangen.
Welche Rolle spielt Trump dabei, die Vereinten Nationen 2.0 auf den Weg zu bringen?
Ich nenne ihn «Wreck-It-Trump», weil er das alte Gebilde dem Erdboden gleichmacht. Er zerstört das bestehende System. Die Vereinten Nationen funktionieren nicht so, wie sie sollten, und er bereitet den Weg für etwas Neues. Trump ist der perfekte Kandidat dafür. Vom Alten wird nichts mehr übrig sein. Und wenn er damit fertig und seine Zeit abgelaufen ist, können sie einfach mit diesem neuen System übernehmen.
Und alle werden sagen: «Endlich, endlich kehrt Vernunft ein. Ein neues System, das die Welt wieder sicherer macht.»
In der Beschreibung zur deutschen Ausgabe Ihres Buches heißt es: «Es geht nicht um Reformen. Es geht um Macht. Und um die Frage: Wer entscheidet über unser Leben?» Wer sind diese Wenigen, die das Leben von Milliarden Menschen kontrollieren wollen?
Sie gehören zur Super-Klasse, wie David Rothkopf sie in seinem Buch nennt. Es handelt sich um Oligarchen, die weltweit die Finanzwelt und die Wirtschaft kontrollieren. Sie sind beispielsweise im Weltwirtschaftsforum und in den philanthropischen Organisationen zu finden.
Ich habe in meinem Buch «Rockefeller – das Spiel kontrollieren» über eine dieser Familien geschrieben. Darin zeige ich auf, wie die Klimaschutzagenda überhaupt zustande gekommen ist und was dahintersteckt.
Hier in Schweden ist eine Familie namens Wallenberg sehr mächtig. Sie gehören wie die Rockefellers zu den Bilderbergern und zur Trilateralen Kommission. Das sind äußerst einflussreiche Netzwerke, die die alte Ordnung geprägt haben und nun die Kontrolle über die neue Ordnung erlangen wollen.
Sie holen auch Leute aus anderen Regionen dazu, wie Multimilliardäre aus Indien, Südafrika, China und Japan. Und diese Elite scheint zu denken, dass sie die Auserwählten seien. Diejenigen, die das Potenzial haben, erfolgreich zu sein, höchste Machtpositionen zu erreichen und erfolgreiche Unternehmen zu führen, halten sich für besser als andere. Das lässt sich auch in Epsteins Denkweise und seinen Äußerungen wiederfinden.
Wie viele stehen an der Spitze der Pyramide?
Nun, die Super-Klasse umfasst einige tausend Individuen weltweit. Und unter diesen gibt es natürlich Hierarchien. Einige stehen also weiter oben. Aber wer weiß schon, wer an der Spitze steht.
Weitere Erfüllungsgehilfen
Sie stellen in «Die digitale Weltkontrolle» auch die wichtigsten Akteure vor, die diese Agenda vorantreiben, zum Beispiel Johan Rockström, der Greta Thunberg beraten hat. Wer ist das?
Johan Rockström ist Agronom. Er wurde von Bert Bolin für eine Position am Stockholm Environment Institute ausgewählt. Bolin wiederum war der erste Vorsitzende des Weltklimarats (IPCC). Und Rockström wurde sein Nachfolger. Er ist eine wichtige Figur in der Klimapolitik und leitet jetzt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) außerhalb von Berlin.
Zuvor leitete Rockström das Stockholm Resilience Centre. Dieses Zentrum wurde mit dem Ziel gegründet, ein System für «planetare Grenzen» zu entwickeln. Dieses Erklärungsmuster ist für die Weltsicht der Eliten und ihr Kontrollsystem von entscheidender Bedeutung. Denn Rockström und sein Netzwerk von Wissenschaftlern definieren damit, was wir als Menschen auf diesem Planeten überhaupt tun können.
Er spricht regelmäßig beim Weltwirtschaftsforum. Darüber hinaus ist er mit einigen sehr einflussreichen Netwerken verbunden, die neben den Reichen und Mächtigen auch Regierungen weltweit beraten. Dazu gehört die Climate Governance Commission (CGC), die bereits vor dem Zukunftsgipfel 2024 empfohlen hat, dass die UN-Generalversammlung einen Klimanotstand ausruft, weil die Menschheit die planetaren Grenzen – es gibt neun davon – überschreite.
Die Notstandsplattform soll dazu dienen, die Pläne der Super-Klasse weltweit umzusetzen.
Rockström gehört zur Elite jener Wissenschaftler, die unsere Grenzen festlegen und bestimmen, wie viele Ressourcen wir nutzen dürfen oder was wir essen können. Er ist außerdem Mitglied der Organisation «EAT», die sich für eine Transformation des weltweiten Ernährungssystems einsetzt.
Dieser Mann ist sehr einflussreich, aber er ist nur ein Akteur. Vor ihm leitete Hans Joachim Schellnhuber das PIK. Er hat Angela Merkel, die Europäische Kommission und sogar den Papst in Klimafragen beraten. Leute wie Rockström oder Schellnhuber arbeiten bis zu ihrer Pensionierung an diesem Thema, und dann gibt es einen Nachfolger. Sie spielen natürlich eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der Ziele, doch die Drahtzieher dahinter sind die Philanthropen, die Superreichen.
Worin liegt Schwedens Aufgabe, wenn es um die Schaffung einer Weltregierung geht?
Schweden fungiert gewissermaßen als Sprachrohr dieser einflussreichen Kräfte, darunter die Trilaterale Kommission, der Council on Foreign Relations oder die Bilderberger. Mein Heimatland hat recht früh, in den 1950er-Jahren, diese Funktion übernommen und im Zuge der Klimaforschung und des Umweltschutzes ausgeweitet.
Schweden hat 1972 die erste UN-Umweltkonferenz organisiert, und zahlreiche wichtige Akteure die diese Agenda vorantreiben, stammen von hier. Sie sind allerdings mehr oder weniger nur Stellvertreter dieser einflussreichen Netzwerke. Wie bereits erwähnt, hat die Familie Wallenberg in Schweden weitgehend die Fäden in der Hand und kontrolliert viele große Unternehmen, sie sind sehr eng mit der Super-Klasse verbunden. Sie hatten schon immer Einfluss auf die schwedische Regierung – dabei spielt es keine Rolle, ob die Sozialdemokraten oder die Moderaten an der Macht sind.
Dazu kommt, dass sich laut dem Zukunftsforscher Graham Molitor in Schweden Neuerungen besonders schnell umsetzen lassen. Wir scheinen neue Technologien einfach anzunehmen, ohne sie zu hinterfragen, weil wir so fortschrittlich sind.
Andererseits erreicht die Grüne Partei in Schweden etwa sechs Prozent der Stimmen.
Das spielt keine Rolle. Denn wenn man sich näher mit der Klima- und Umweltagenda befasst, stellt man fest, dass es sich dabei nicht um echte grüne Politik, sondern um digitale Politik handelt. Es ist egal, ob Rechts oder Links das Land regiert.
Wenn es um diese globale Agenda geht, sind sich alle einig. Und die Grünen sind der aktivistische Arm.
In meiner Doktorarbeit habe ich untersucht, wie diese Umweltorganisationen von elitären Netzwerken finanziert und organisiert werden, um diese Aktivisten und ihre Aktionen populär zu machen – im Endeffekt geht es darum, die gesamte Bevölkerung, jeden Einzelnen zu kontrollieren. Deshalb brauchen wir diese Oppositionsparteien und -bewegungen.
Ich habe ja auch eine Vergangenheit bei den Grünen, ich habe das alles miterlebt. Deshalb war es ein ziemlicher Schock für mich, als ich bei meinen Recherchen herausfinden musste, dass Ölbarone wie die Rockefellers hinter der Umweltbewegung stecken. Sie waren an der Ausarbeitung genau jener Art von Politik beteiligt, die wir als Grüne unterstützt haben.
Über Berlin und Kiew zur Technokratie
Welchen Zweck hat die Klimaagenda, wenn Ölkonzerne sich dieser Erzählung bedienen?
Die Rockefellers und ihre Philanthropen sagen genau, was «wir» erreichen wollen. Die Klimaagenda entstand bei einem Treffen mit Eugenikern in den 1950er Jahren. 1952 gab es ein Treffen zwischen John D. Rockefeller III. und Detlev Bronk, dem damaligen Leiter der National Academy of Sciences (NAS). Sie erörterten einen Plan zur Bevölkerungskontrolle. Daraus ging das Population Council hervor. An demselben Treffen nahm auch Roger Revelle teil.
In den 1950er Jahren machte Revelle die Erderwärmung zu einem zentralen Anliegen und einem wichtigen Forschungsbereich. Er hatte auch eine entscheidende Rolle als Berater von US-Präsident Lyndon Johnson in den 1960er Jahren inne. Damals gab es ein Projekt namens «Special Studies Project» mit Unterstützung des Rockefeller Brothers Fund.
Der Rockefeller Brothers Fund wiederum wurde von den Söhnen oder Enkeln von John D. Rockefeller geleitet. Wir haben also David und John D. III. und Lawrence und Winthrop. Diese Brüder erhielten Geld von der Standard Oil Corporation – Ölgeld – und überlegten, wie sie die Welt verändern wollen. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass die Wissenschaft eine gute Möglichkeit sei, um die Gesellschaft zu verändern, da es wissenschaftliche Kooperationen zwischen den Ländern gibt. Diese Kooperationen hatten sie selbst, beispielsweise über die Rockefeller-Stiftung, mit Fördermitteln für Universitäten auf der ganzen Welt etabliert.
Der Grundgedanke: Derartige Probleme lassen sich von keiner Nation allein lösen. Sie müssen mehr oder weniger von einer internationalen Instanz gelöst werden. Wir haben also Bevölkerungskontrolle einerseits und dazu die Idee einer Art Weltbehörde, die die Kontrolle übernehmen muss. Das andere wissenschaftliche Problem waren Pandemien und die damit verbundenen globalen Gesundheitsprobleme.
Krankheiten wurde also ebenfalls schon in den 1950er Jahren als weltweiter Hebel erkannt. Alles geschieht ganz offen. Warum beschäftigen sich nur wenige mit dem Thema?
Diese Dinge zu hinterfragen, hat seinen Preis. Nachdem ich diese Netzwerke aufgedeckt hatte, war es sehr schwierig, meinen Job als Universitätsdozent zu behalten.
Als ich 2012 meine Doktorarbeit – «Ordo ab Chao: Die politische Geschichte der Biokraftstoffe in der Europäischen Union. Akteure, Netzwerke und Strategien» – verteidigte, sagte mein Opponent gleich zu Beginn: «Wissen Sie, meine Institution hat gerade Fördermittel von der Rockefeller-Stiftung erhalten.» Auch der Vorsitzende des Club of Rome wollte verhindern, dass meine Dissertation überhaupt angenommen wird.
Aber was mich am meisten überrascht hat: Ich kam selbst aus der Umweltbewegung, aber wenn ich meine Mitstreiter warnen wollte, dass diese Ölkonzerne mit drinstecken, wurden manche richtig wütend. Je mehr wir über nachhaltige Entwicklung gesprochen haben, desto mehr Autos und Technologie wurden eingeführt. Das wollte niemand hinterfragen. Universitäten und eben auch Umweltorganisationen erhalten Gelder von diesen Stiftungen. Am Ende geht es nur ums Geld.
Sie haben dann aber weiter als Dozent gearbeitet?
Ja, zunächst einige Jahre an der Universität Linköping und dann an der Universität Stockholm. Aber es wurde immer schwieriger. Denn viele, insbesondere Nachwuchswissenschaftler haben herausgefunden, dass ich die Klimadogmen nicht wirklich teile. Und damit gilt man nicht mehr als vertrauenswürdig. So einen «Klimaleugner» wollen «wir» an «unserer» Institution nicht dulden.
Es war anscheinend nur ein Student, der mich gegoogelt und herausgefunden hat, dass ich eine kritische Arbeit zum Thema Klimawandel geschrieben hatte, er hat sich wahrscheinlich beim Institutsleiter beschwert. Es war kein angenehmes Arbeitsumfeld mehr.
Aber nachdem ich im ersten Jahr der «Pandemie» das Buch «Der globale Staatsstreich» geschrieben hatte, ist es unerträglich geworden. Die etablierte Medizin und diese «Pandemie»-Politik durften nicht kritisiert werden. Das war moralisch nicht vertretbar.
Haben Sie das falsche Spiel im März 2020 sofort erkannt?
Mehr oder weniger. Im April 2019 hatte ich mein Buch über die Familie Rockefeller veröffentlicht und darin beschrieben, wie deren Pläne für die Welt mithilfe der Vierten Industriellen Revolution erreicht werden sollen. Als ich mich während meiner Recherchen mit dem Thema Klimawandel auseinandergesetzt habe, bin ich auch auf Informationen zum Gesundheitsbereich gestoßen. Es ist mir also sehr leicht gefallen, diese Puzzleteile zusammenzusetzen.
Und haben die Mainstream-Medien auf ihre Veröffentlichung zum Staatsstreich reagiert?
Nein. Meine Ansicht galt damals einfach als extremistisch. Schweden war während der «Pandemie» natürlich der bessere Ort zum Leben. Aber die Medien sagten nur: «Wer das anzweifelt, ist ein Idiot.» Alternative Medien haben berichtet, und mein Buch, das im Dezember 2020 erschienen ist, war schnell ausverkauft.
In Berlin hat das WEF im Jahr 2024 das Global Government Technology Center eröffnet. Was passiert dort?
Ziel ist der Aufbau neuer Systeme für die Regierungsführung. Diese werden nicht von Menschen, sondern von einer Agens-KI gesteuert. Stanley Milgram hat den Begriff «Agens-Zustand» geprägt – jemand befindet sich in einem Zustand, in dem er den Wünschen und Anweisungen der Autoritäten einfach folgt.
Ein Whitepaper des Global Government Technology Center trägt genau diesen Titel: «The Agentic State». Die Agens-KI wird die maßgebliche Instanz sein, die Befehle erteilt und alles effizient erledigt, und soll bei der UN-Notfallplattform zum Einsatz kommen – ohne Menschen, die sagen könnten: «Nein, das mache ich nicht.»
Ein weiteres Global Government Technology Center befindet sich in Kiew, wo diese Systeme getestet werden können – in einem Land im Kriegszustand ist das einfacher zu realisieren. Deshalb arbeiten viele WEF-Vertreter mit der Ukraine zusammen.
Um diese dystopischen Pläne der Super-Klasse verarbeiten zu können, haben Sie sogar eine Rockband gegründet?
Kreativ zu sein ist sehr wichtig, denn das gehört zum Menschsein dazu. Darüber hinaus halte ich Vorträge und schreibe über meine Recherche-Ergebnisse. So verarbeite ich das. Und ich habe dabei sehr gute Freunde gefunden.
Aber wie sollte die Menschheit im Idealfall auf diese technokratische Bedrohung reagieren?
Dieser Versuch der Super-Klasse, den Turm zu Babel neu zu erbauen, wird nicht gelingen. Sobald das letzte Puzzleteil eingesetzt ist, wird alles zu bröckeln anfangen und zusammenbrechen. Diejenigen, die dieses System aufbauen, bedienen sich der Lüge und aller möglichen Manipulationstechniken, um die Menschen unter totale Kontrolle zu bringen. Und die Wahrheit hinkt zwar hinterher, aber sie holt auf.
Die Menschen durchschauen das. Die Wahrheit wird ans Licht kommen und alles hinwegspülen. Es ist also ein unmögliches Unterfangen, das sie da betreiben.
Gleichzeitig denke ich, dass solche Projekte unvermeidlich sind. Es hat und wird immer Leute geben, die nach Macht streben. Wenn dieser Turm eingestürzt ist, wird erneut jemand versuchen, ihn wieder aufzubauen. Aber vielleicht haben wir dazwischen etwas Zeit, um die Welt auf diese Psychopathen besser vorzubereiten.
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Das Interview führte Sophia-Maria Antonulas.