USA investierten eine Milliarde Dollar in massive WM-Überwachung
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 war das am stärksten überwachte Sportereignis aller Zeiten. Besucher und Reisende wurden in den Austragungsorten von Regierungen und privaten Unternehmen überwacht – inklusive der Kontrolle ihres Gesichts, ihres Verhaltens, ihrer Bewegungen und ihrer elektronischen Geräte.
Die Rechtswissenschaftlerin Anne Toomey McKenna hat in einem Beitrag auf dem Portal The Defender darüber berichtet, dass die US-Regierung über eine Milliarde Dollar in die Sicherheit der WM investiert habe. Ein Großteil der Investitionen sei in Überwachungssysteme geflossen, um Schäden durch unbefugten Drohneneinsatz zu verhindern.
Laut McKenna trägt der Schutz vor dieser Bedrohung zur rasant wachsenden Partnerschaft zwischen Staat und Privatwirtschaft bei der Entwicklung und Beschaffung von Überwachungstechnologien bei. Für private Unternehmen sei das ein Riesengeschäft gewesen – für die Besucher ein Risiko, denn ihre Privatsphäre sei nicht gewahrt worden. Bezüglich des Datenschutzes gebe es viele offene Fragen.
Das Argument der Sicherheit diene oft als Katalysator für die Finanzierung, Entwicklung und den Ausbau staatlicher Überwachungskapazitäten, so McKenna. Das höhle die Bürgerrechte aus, schränke die Meinungsfreiheit ein und untergrabe die Vereinigungsfreiheit. Zudem befürchtet die Rechtswissenschaftlerin, dass diese überwachungsfreundlichen Richtlinien und Technologien, einmal eingeführt, nicht wieder verschwinden werden.
Kameras, Drohnen und KI
Das Ausmaß der Überwachung im Umfeld der WM und die Änderungen in der US-amerikanischen Gesetzgebung und Einwanderungspolitik veranlassten über 120 zivilgesellschaftliche Organisationen – darunter Amnesty International und die American Civil Liberties Union – zu einer Reisewarnung.
Befürchtet wurde, dass Reisende in den USA Gefahren ausgesetzt sein könnten, die gegen die völkerrechtlichen Menschenrechtsverpflichtungen des Landes verstoßen. Die Reisewarnung nannte Risiken wie invasive Überwachung sozialer Medien, Durchsuchungen elektronischer Geräte, Racial Profiling, Verhaftung, Inhaftierung, Abschiebung und sogar Tod.
KI-gestützte Überwachung spielte bei der Weltmeisterschaft eine zentrale Rolle. Die Stadien in den Austragungsstädten waren mit Gesichtserkennungskameras ausgestattet, die biometrische Daten von Personen im und um das Stadion erfassen und analysieren konnten.
Diese Daten könnten gespeichert und zukünftig auf unbekannte und unkontrollierte Weise für die Betroffenen verwendet werden, schreibt McKenna. Die zunehmende Verbreitung von Gesichtserkennung bei Veranstaltungen spiegele zudem einen breiteren globalen Trend wider, der die biometrische Überwachung normalisiere, da solche Systeme in immer mehr Städten Einzug halten würden.
Die eigentliche Bewährungsprobe komme erst, wenn die Weltmeisterschaft vorbei sei und die Besucher abgereist seien, betont die Rechtswissenschaftlerin. Denn es gebe kaum Aufsicht oder Kontrolle über diese staatlich finanzierten öffentlich-privaten Partnerschaften im Bereich Überwachungstechnologie.
Für die Öffentlichkeit sei es schwierig nachzuvollziehen, welche Daten erhoben und wie diese Daten verwendet, weitergegeben und analysiert werden. Es sei unklar, was mit diesen Systemen, Partnerschaften und Daten nach dem Finale geschehe, resümiert McKenna. Angesichts unzureichender Transparenz und Datenschutz-Maßnahmen erwarte sie jedoch nichts Gutes.